BLIP – Berufliches Lernen im Produktionsprozess

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Lernorte der Berufsausbildung besser zu verknüpfen und die Lernortkooperation zu verbessern, ist das Ziel von „BLIP“. Als Basis hierfür dienen eine auf Web 2.0-Funktionen basierende Lernplattform und eine neue Lernkultur.

Foto: Auszubildende im
Abb. 1: Auszubildende im „BLIP“-Projekt besprechen eine Arbeitsaufgabe

Die heutige Generation der Auszubildenden lernt von Anfang an, ihre Probleme mit neuen Medien zu lösen. Ihr Wissen stammt aus dem Internet und die Arbeit in der Schule erledigen Sie am PC. Zudem läuft ihre Kommunikation in der Freizeit über soziale Netzwerke, Chats und Foren. Die Realität in der Ausbildung der metallverarbeitenden Berufe steht dazu im Kontrast: Hier lösen oft Ordner mit Papier den Rechner ab. Das entspricht jedoch nicht der Lebensrealität und dem Wunsch nach modernen Lernformen der heutigen Ausbildungsgeneration.

Daher bedarf es „best practice“-Lösungen, die diesen Bedürfnissen gerecht werden. Diese entwickelt ein Forschungsprojekt, das die Daimler AG 2009 zusammen mit der Leadership-Kulturstiftung Landau, der IG Metall sowie der Infoman GmbH gestartet hat.

Moderne Lernkultur dank interaktiver Plattform und Web 2.0-Tools

Die Projektgruppe verfolgt folgende Ziele:

  • Die Rahmenbedingungen für modernes, arbeitsprozessorientiertes und ganzheitliches Lernen mithilfe der neuen Medien zu verbessern. Es geht um eine intensivere Lernortkooperation durch Internetkommunikation zwischen Betrieb und Berufsschule sowie zwischen Ausbildungswerkstatt und Versetzungsbereichen in der Fabrik.
  • Theoretische und praktische Ausbildungsinhalte durch Nutzung von interaktiven Plattformen und Web 2.0-Komponenten besser und zeitnaher zu synchronisieren. Ziel ist es, einen Wissensaustausch zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen.
  • Die Auszubildenden bei der Prüfungsvorbereitung zu unterstützen: sie erhalten einen ortsunabhängigen Online-Zugang zu wichtigen Fachinformationen und Lernmaterialien.
  • Eine moderne Lernkultur zu etablieren, die den individuellen Lernstilen der Auszubildenden entspricht. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, sich fachlich auszutauschen und ihre Ausbildung mitzugestalten sowie Kompetenzen aus ihrem alltäglichen Medienverhalten in ihre Ausbildung zu integrieren.
Schaubild: Das Schaubild zeigt ein integratives Szenario von Medienkompetenz
Abb. 2: Integratives Szenario Medienkompetenz

Kommunikations- und Lernmodell

Foto: Seminarraum mit Auszubildenden an PC-Arbeitsplätzen
Abb. 3: Seminarraum mit Auszubildenden an PC-Arbeitsplätzen

Die neue Lernkultur dient auch dazu, Web 2.0 in den beruflichen Alltag zu integrieren und eine breitere Medienkompetenz im Betrieb zu vermitteln. Die Auszubildenden können „Botschafter“ für diese neue Praxis sein, die im gesamten Unternehmen an Bedeutung gewinnt – auch im späteren Einsatzfeld.

Das Ergebnis ist ein Kommunikations- und Lernmodell: Es verknüpft die neuen Kommunikationsstrukturen mit den bewährten und anerkannten Prinzipien beruflichen Lernens wie Handlungs-, Prozess- und Projektorientierung. Das Internet ersetzt die Ausbildung in den Arbeits- und Geschäftsprozessen nicht, sondern ergänzt und erweitert sie.

Blogs, Foren und Wikis – „BLIP“ verfügt über zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten

Die Plattform bietet für unterschiedlichste Anwendungsfälle Web 2.0-Features an, die das selbstgesteuerte Lernen fördern:

  • MySite – Meine Website als personenbezogener Lernbereich:
    Die Ausbildungsgruppe kann persönliche Informationen, wie zum Beispiel zu bearbeitende Lernprojekte, erhalten. Eine Pinnwand unterstützt die Kommunikation zwischen den Akteuren.
  • Blogs für individuelle Informations- und Wissensweitergabe:
    Lehrende können laufende Lernprojekte von Ausbildungsgruppen mit Blogs begleiten. Lernende haben die Möglichkeit, aktuelle Projektfortschritte zu veröffentlichen.
    Foto: Zwei Auszubildende sitzen an einem PC mit Arbeitsblättern vor sich und bearbeiten eine Aufgabe
    Abb. 4: Auszubildende an einem PC bearbeiten eine Aufgabe
  • Foren für den Erfahrungsaustausch:
    Unterschiedliche themenspezifische Foren bieten Hilfestellung. Hier spielen die Beiträge der Auszubildenden eine wichtige Rolle.
  • Wiki für die lexikalische Wissensspeicherung:
    Wikis dienen dazu, bestimmte Ausbildungsphasen zu begleiten und allgemeines, lexikalisches Wissen abzulegen. Dort lässt sich beispielsweise prüfungsrelevantes oder fachbereichsbezogenes Wissen abspeichern und nachschlagen.
  • Web 2.0-Lerngruppen für kollaborative Lernzusammenschlüsse:
    Lerngruppen lassen sich dort einfach einrichten und betreuen. Innerhalb der Lerngruppen findet der Austausch von Dokumenten und Erfahrungen statt.
  • Elektronische Lernprojekte mit situativen und tätigkeitsorientierten Lernaufträgen:
    Als zentrale didaktische Komponente unterstützt das „BLIP“-System Lernaufträge, die auf situativen, tätigkeitsorientierten Anforderungsprofilen aufbauen.
  • Integriertes Lern-Management-System, um Lernaufgaben vereinfacht zu verwalten:
    BLIP integriert Lern-Management-Systeme, um das „traditionelle“, individuelle Lernen zu ermöglichen. Das umfasst unter anderem eine Plattform für vorgefertigte E-Learning-Module (SCORM).

Projektbeteiligte nutzen Plattform kooperativ

Foto: Ausbildungswerkstatt im Projekt „BLIP“. Auszubildende bearbieten Werkstücke an Schraubstöcken.
Abb. 5: Ausbildungswerkstatt im Projekt „BLIP“

Auszubildende der Fachrichtung Mechatronik und Fertigungsmechanik im Mercedes-Benz-Werk in Mannheim nutzen „BLIP“, wenn sie ihre Lernprojekte bearbeiten. Ihre persönlichen Lernaufträge werden ihnen über die Lernplattform zugewiesen. In Foren besprechen die Auszubildenden Lernfragen. Ihr Wissen stellen sie anderen im Wiki zur Verfügung und entwickeln sogar eigene Podcasts.

Auch Berufsschullehrende und Ausbildende tauschen sich auf der Plattform aus. Sie stellen Dokumente zur Verfügung und geben den Auszubildenden Rückmeldung. Zudem führen sie gemeinsame Unterrichtseinheiten durch, deren Ergebnisse sie auf der Lernplattform dokumentieren.