"Das Online-Format ist ein neuer Weg für einen breitenwirksamen Innovationstransfer"

Portrait Katja Stamm (BMBF)

Mit einer Reihe von themenspezifischen Online-Workshops hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Angebot der Transferkampagne "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" erweitert.

Seit 2016 bietet das BMBF, gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), bundesweit Workshops zum Einsatz digitaler Medien in der Berufsbildung an. 2020 stellt diese Veranstaltungsreihe, die unter dem Namen "Roadshow" bekannt ist, innovative Tools und Anwendungen aus dem Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" zusätzlich in einem Online-Format vor: "Roadshow-Online". Im Gespräch mit qualifizierungdigital.de spricht Katja Stamm vom BMBF (Referat 323 - Infrastrukturförderung Schule) über die neuen Web-Seminare und ihre Rolle beim Transfer von Projektergebnissen und -erkenntnissen.

Symbolbild Roadshow auf Laptop-Oberfläche
Das Format "Roadshow-Online" ist 2020 gestartet und präsentiert digitale Medienkonzept in Web-Seminaren.

qualifizierungdigital.de: Mit der Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" bieten das BMBF und das BIBB schon seit 2016 praxisnahe Workshops zum Einsatz digitaler Medien in der Berufsbildung an. Die Coronavirus-Pandemie hat die bis zum Sommer geplanten Etappen unmöglich gemacht. Wie gehen die Verantwortlichen der Roadshow mit dieser Situation um?

Stamm: Uns war schnell klar, wir wollen nicht ganz auf die Roadshow verzichten. Und wenn man sich schwerpunktmäßig mit digitalen Lehr- und Lernwerkzeugen beschäftigt, dann ist der Weg zum "Fernlernen" nicht mehr weit. So kam die Idee einer "Roadshow-Online". Dafür waren wir aber auch auf mutige Partner angewiesen, die dieses Experiment mit uns wagen. Dankenswerterweise hat einer unserer Projektleiter sofort angeboten, seinen für den Präsenz-Termin in Bremen geplanten Workshop "KeaP digital" online durchzuführen. Dadurch konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Lehr-Lern-System zur Kompetenzentwicklung am Produktionsarbeitsplatz in einem Web-Seminar kennenlernen. Nach dieser Premiere boten auch andere Projekte Online-Workshops an. Das freut uns natürlich sehr. So haben wir aus der Not quasi eine Tugend gemacht.

Wird die durch die Corona-Krise entstandene Intensität der Nutzung von Online-Werkzeugen zum Informations- und Erfahrungsaustausch in virtuellen Räumen künftig bestehen bleiben?

So intensiv wie jetzt wird die Nutzung der Online-Werkzeuge in Zukunft wohl nicht bleiben. Allerdings wissen wir auch noch nicht, wann auch für analoge Veranstaltungen wieder gänzlich Normalität herrscht. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die vielen positiven Erfahrungen, die wir in den letzten Monaten gemacht haben, der Nutzung von Online-Werkzeugen einen guten Schub nach vorn geben werden. Zum einen, weil wir erlebt haben, dass es technisch umsetzbar ist und zum anderen – und das ist letztlich das Wichtigste - weil auch in digitalen Formaten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv eingebunden und Inhalte didaktisch sinnvoll vermittelt werden können.

Was zeichnet die in den Online-Workshops vorgestellten Konzepte – ihre Tools und Anwendungen – aus?

Die in den Web-Seminaren vorgestellten Konzepte sind im Unterschied zu den anderen Projekten schon didaktisch und konzeptionell so aufbereitet, dass Außenstehende sie anwenden können. Die Entwicklerinnen und Entwickler haben schon den entscheidenden Schritt für den Transfer gemacht. Hier kommt das Praxismoment der Roadshow zum Tragen: die Interessierten hören und schauen nicht nur zu, sondern sie können oftmals selbst ausprobieren und dadurch viel besser verstehen, bis zu dem Punkt, ob sie sie vielleicht übernehmen wollen - mal mit kleineren, mal mit größeren Anpassungsleistungen.

Welches Potenzial sehen Sie für die "Roadshow-Online" – auch im Hinblick auf die Zeit, in der Präsenz-Workshops wieder angeboten werden können? 

Die "Roadshow-Online" ist für mich schon jetzt ein eigenständiges Format. Wir werden sicherlich daran festhalten, weil es sich als sinnvoll erwiesen hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sparen die Reisezeit und Reisekosten. Damit ermöglichen wir also mehr Interessenten die Teilnahme. Zugleich können wir eine größere Auswahl an Projekten anbieten und zum Beispiel in einem Angebot nur auf die Interessen einer bestimmten Branche eingehen.

Die Transferkampagne – egal ob digital oder analog – lebt von den Erkenntnissen und Ergebnissen, die durch die Projektarbeit im Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung", gewonnen werden. Wie binden Sie die Verantwortlichen der Pilotprojekte in die digitale Transferinitiative ein?

Als Bundesministerium für Bildung und Forschung wollen wir grundsätzlich keine Einzelfalllösungen fördern, sondern Ideen und Entwicklungen, die das Bildungssystem als Ganzes voranbringen. Deshalb sprechen wir Projektverantwortliche entweder direkt an, weil wir uns gut vorstellen können, dass ihre Entwicklung auf großes Interesse stößt, oder Projektverantwortliche kommen direkt auf uns zu und erklären, warum und wie sie einen Workshop bei der Roadshow bestreiten wollen. Für alle Projekte ist der Transfer ihrer Ergebnisse ja von Beginn an Teil ihrer Arbeitsplanung und auch ihres Auftrages.

Die Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" richtet sich an Verantwortliche aus der Berufsbildungspraxis. Welchen Eindruck haben Sie von der Reaktion dieses Publikums auf das Angebot von Online-Workshops und -Seminaren?

Unsere bisherige Erfahrung ist sehr positiv. Das Interesse und die Anmeldezahlen für unsere Angebote waren hoch. Das war bereits Anfang April so, als sich alle noch in der neuen Situation zurechtfinden mussten, und auch im Juni der Fall, als alle schon wieder den "Regelbetrieb" ins Auge fassten. Dies bestätigt, dass das Online-Format ein neuer Weg für einen breitenwirksamen Innovationstransfer, auch in der Beruflichen Bildung, ist.

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