DiLi – Digitales Lernen in der Instandhaltung

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Das Projekt entwickelt ein Lern- und Wissenssystem, das an den realen Arbeitsabläufen in der industriellen Instandhaltung ansetzt. Das im Vorhaben umgesetzte Qualifizierungssystem setzt dabei gezielt auf den Einsatz moderner Web 2.0-Technologien.

„DiLi“ hat unter Einbezug von Web 2.0-Technologien ein Lern- und Wissenssystem entwickelt, dessen Gestaltung sich konsequent an den Anforderungen der Instandhaltung orientiert. Das System setzt an den realen teamförmigen Arbeitsabläufen und dem Erfahrungswissen in der Instandhaltungsarbeit an. Es kann als vorbeugendes Hilfsmittel dienen und unterstützt gleichzeitig dabei, akute Störungsfälle im laufenden Betrieb gezielt zu beheben. Die Einführung des Systems ermöglicht es:

  • die bestehende Wissensbasis systematisch zu erweitern
  • sie einem breiten Personenkreis zugänglich zu machen
  • sie für dynamische Lernanforderungen im Arbeitsprozess zu öffnen

Informelle, selbst organisierte Lernprozesse unterstützen

Industrielle Instandhaltungsarbeit ist wissens- und lernintensiv. „DiLi“ greift daher auf das didaktische Konzept erfahrungsgeleiteten Arbeitsprozesswissens (eAP) zurück. Es nutzt Arbeitsprozesse als Lernfeld und unterstützt so systematisch informelle, selbst organisierte Lernprozesse.

Das Projektteam hat das Lernsystem mit dem Anspruch umgesetzt, die Instandhaltungsmitarbeiter/-innen in den beteiligten Unternehmen direkt an der Entwicklung zu beteiligen. So ist technisch und inhaltlich ein Lernsystem von Praktiker/-innen für Praktiker/-innen entstanden.

Empirische Analysen, die das Projektteam durchgeführt hat, ergaben, dass die Wissensgenerierung und der Informationsaustausch in der Instandhaltungsarbeit durch vier zentrale Merkmale charakterisiert sind:

  • eine Kultur des informellen Informationsaustauschs
  • explorierend-improvisierende Wissensgenerierung
  • interagierende Fachkulturen
  • heterogene Daten- und Dokumentenkonglomerate

Spezifische Lösungsansätze für die Instandhaltung

Auf der Basis dieser Ergebnisse und vertiefender Analysen der Arbeitspraxis der Instandhalter/-innen hat „DiLi“ Anforderungen an die Gestaltung eines digitalen Lernsystems definiert. Das System soll:

  • explorativ-improvisierende Problemlösungsverfahren darstellen
  • umfangreiche Anlagehistorien mit zahlreichen spezifischen Anpassungen dokumentieren
  • neue Maschinen und Anlagen kontinuierlich integrieren
  • mobile Nutzung im Arbeitsprozess erlauben

Auf dieser Basis hat das Projektteam spezifische Lösungsansätze gemeinsam mit den Instandhaltern/-innen entwickelt und in die Gestaltung des „DiLi“-Systems integriert. Dazu gehören:

  • anschauliche, mitwachsende Maschinenakte
  • anlagenbezogene Strukturierung und modularer Aufbau des Gesamtsystems
  • Verknüpfung von verschriftlichten Erfahrungsberichten und Fotos aus dem Arbeitsprozess mit unterschiedlichen Dokumententypen aus dem Bestand
  • Tablet-System zur mobilen Nutzung
Foto eines Tablets mit Screenshot: Der Bildausschnitt zeigt das Dashboard des mobilen DiLi-Systems für die Instandhaltung
Abb.1: Dashboard des mobilen DiLi-Systems für die Instandhaltung

Das „DiLi“-Lern- und -Wissenssystem im Praxiseinsatz

Kernidee ist, eine Anwendung zu schaffen, die es erlaubt, das Erfahrungswissen, das sich im Zuge der Instandhaltungsarbeit kontinuierlich aufbaut, systematisch zu sammeln. Auch soll es innerhalb der „Community of Practice“ kollektiv verfügbar sein.

Die „Störungsmeldungen“ bilden dabei das zentrale Medium, um das Erfahrungswissen innerhalb des Systems zu dokumentieren. Diese enthalten jeweils eine Problembeschreibung sowie darauf bezogene Erfahrungswerte. Dabei handelt es sich um Beschreibungen des Lösungsweges sowie Zusatzinformationen, die beim Beheben der Störung zu beachten sind. Hinzu kommen eine Kurzbeschreibung des Störungsbildes im Titel und die Zuordnung des Störungsortes innerhalb der Anlage.

Darüber hinaus bieten die Störungsmeldungen die Möglichkeit, Verknüpfungen zu unterschiedlichen Dokumentenformaten aus dem Datenfundus des Systems anzufügen. Damit steht bei einer vergleichbaren Störung eine Palette an Informationen zur Verfügung, auf die sich über die Störungsmeldungseinträge zentral zugreifen lässt.

„DiLi“ ist als Tablet-System angelegt. Damit besteht zudem die Möglichkeit, besonders relevante Arbeitsschritte über Fotos zu dokumentieren und mit den entsprechenden Störungsmeldungen zu verknüpfen. Sie lassen sich so als zusätzliche Informationsquelle nutzen.

Screenshot: Der Bildausschnitt zeigt eine „Störungsmeldung“ im
Abb. 2: Screenshot „Störungsmeldung“

Auffinden von Daten zentral möglich

Im Bedarfsfall können die Beschäftigten auf den Fundus der Störungsmeldungen, den sie im Zuge ihres Arbeitsalltags angelegt haben, über eine Suchfunktion zugreifen. Sie liefert neben den Störungsmeldungen auch Informationen beziehungsweise relevante Dokumente aus dem Datenspeicher:

Screenshot: Der Bildausschnitt die Suchfunktion im
Abb. 3: Screenshot „Suchfunktion“

Das System bietet auch die Möglichkeit, entlang eines „Maschinenbaums“ nach Inhalten zu suchen, die einer Baugruppe oder einem Bauteil der Anlage zugeordnet sind. Damit verfügt die Instandhaltung auch bei einem uneindeutigen Störungsbild über ein breites Spektrum an Informationen. Diese lassen sich nutzen, um die konkrete Störungsursache zu suchen und anschließend zu beseitigen. Praktisch sind in diesem Zusammenhang Hinweise, die sich auf Ersatzteile und deren Produzenten beziehen. Das System sammelt diese zentral und stellt sie bei Bedarf zur Verfügung.

Screenshot: Der Bildausschnitt zeigt die Seite
Abb. 4: Screenshot „Ersatzteile“

Fazit

„DiLi“ wird den spezifischen Anforderungen der Instandhaltungsarbeit in hohem Maße gerecht. Die offene Anlage des Systems und der Einsatz von Web 2.0-Technologien erlauben es, das System durch eine kontinuierlich erweiterbare Community dynamisch zu nutzen. Das System gewährleistet es, individuelles Erfahrungswissen dauerhaft zu sichern. Zudem gestattet es dessen systematischen Austausch und ermöglicht es somit, die geteilte Wissensbasis kontinuierlich zu erweitern.