"Ein Meilenstein für die berufliche Aus- und Weiterbildung 4.0"

Landkreis Höxter

Neues Schülerlabor "Kom.Tec" in Brakel eröffnet. Das 1,6 Millionen Euro teure Kompetenzzentrum des Berufskollegs Kreis Höxter soll die Fachkräfte von morgen für die Arbeitswelt 4.0 qualifizieren.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und damit auch die Anforderungen an die berufliche Aus- und Weiterbildung. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und zukünftige Fachkräfte bestmöglich auf das vorzubereiten, was sich hinter dem Kürzel "4.0" versteckt, hat das Kreisberufskolleg Höxter das Kompetenzzentrum Neue Technologien, kurz "Kom.Tec", eröffnet. Am Standort Brakel in Nordrhein-Westfalen wird das Labor Schülerinnen und Schüler fortan auf die Herausforderungen im Bereich neuer Technologien vorbereiten - für Berufe in der Holz-, Kfz-, Landmaschinen- und Metalltechnik sowie Robotik. Ab Herbst werden an diesem Standort auch Aufstiegsfortbildung in Richtung staatlich anerkannter Techniker/-innen angeboten werden.

Kompetenzen schulen, die die Industrie 4.0 verlangt

"Im digitalen Zeitalter gilt es, die Fachkräfte von morgen für die Arbeitswelt 4.0 zu qualifizieren. Das Kom.Tec ist eine Antwort darauf. Es schult Kompetenzen, die die Industrie 4.0 von Beschäftigten verlangt", sagte der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker, im Rahmen eines Festaktes zur Eröffnung des Schülerlabors am 30. Mai 2017. Vor rund 100 Gästen aus Bildung, Politik und Wirtschaft bezeichnete er die Schaffung des Kompetenzzentrums, die ein Jahr Bauzeit in Anspruch nahm, als "weiteren Meilenstein" für die berufliche Aus- und Weiterbildung 4.0 im Kreis Höxter.

Freuen sich über "Kom.Tec" (v.li.): Schulleiter Michael Urhahne, Dezernatsleiter Jochen Bödeker, Landrat Friedhelm Spieker, Dezernatsleiter Josef Wegener und Regierungsschuldirektor Helmut Zumbrock. Foto: Landkreis Höxter

"Lehr- und Lernkonzepte werden weiterentwickelt werden müssen"

Festredner der Veranstaltung war Dr. Gert Zinke vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Er betonte in seinem Vortrag "Ausbildung 4.0", dass die Herausforderung der Zukunft darin bestehe, auf Veränderungen vorbereitet zu sein. Um zu veranschaulichen, was das für die Arbeitspraxis im Zeitalter der Digitalisierung bedeutet, nannte er das Beispiel eines Land- und Baumaschinenmechatronikers, der Problemen nicht mehr mit Auge und Ohr nachspürt, sondern stattdessen einen Fehlercode ausliest. Zinke: "Der Fachmann fährt in Zukunft nicht mehr raus aufs Feld. Er wird den Fehler per Ferndiagnose am Computer feststellen und vielleicht sogar von dort beheben können."

Verbunden mit der Aufforderung, den Wandel durch technologischen Fortschritt als Chance zu begreifen, begründete und erläuterte Zinke vier Annahmen über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Berufsbildung:

  • "Die Berufsausbildung (und Weiterbildung) wird sich auf einen durch die Digitalisierung gravierend veränderten quantitativenund qualitativen Fachkräftebedarf einstellen müssen."
  • "Für eine zukunftsfeste Berufsbildung sind Ausbildungsberufsprofile und -zuschnitte zu überprüfen und neu zu bestimmen."
  • "Das Berufsprinzip muss als Marke des Dualen Systems bestehen bleiben"
  • "Lehr- und Lernkonzepte werden weiterentwickelt werden müssen"

GRW-Förderung macht Schülerlabor möglich

Zur Finanzierung des Schülerlabors war es dem Kreis Höxter über ein regionales Wirtschaftsförderungsprogramm gelungen, Fördermittel der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) zu gewinnen. Dadurch konnten insgesamt mehr als 2,3 Millionen Euro in die Optimierung der Aus- und Weiterbildung an Berufskollegen investiert werden. Bei einer Förderquote von 80 Prozent hatte der Kreis einen Eigenanteil von 20 Prozent zu leisten. Der Bereitstellung von fast 500.000 Euro hatte der Kreistag "aus vollem Herzen" zugestimmt, so Spieker. Der Landrat weiter: "In den Aufbau des Kom.Tec haben wir insgesamt rund 1,6 Millionen Euro investiert. Davon hat rund 300.000 Euro der Kreis an Eigenmitteln aufgebracht".

Bildnachweis: Landkreis Höxter (v.li.: Landrat Friedhelm Spieker, Dr. Gert Zinke und Schulleiter Michael Urhahne)