EMAG

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Das Projekt EMAG entwickelt und erprobt ein mediengestütztes Berufsbildungskonzept zur Aneignung von Medien- und Gestaltungskompetenz in vernetzten Lernorten.

Das Hauptanliegen von EMAG ist die Neuorientierung und Attraktivitätssteigerung in der beruflichen Bildung im Tourismus und Gastgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergrund

Der Tourismus und das Gastgewerbe stellen einen tragenden Wirtschaftszweig in Mecklenburg-Vorpommern und andernorts dar. Allerdings bleiben in dieser Branche viele Ausbildungsplätze unbesetzt, Verträge werden gelöst oder Ausbildungen abgebrochen.

Diese Problemsituation wird durch eine fehlende systematische und kompetenzorientierte berufliche Bildung verstärkt. Digitale Medien werden kaum eingesetzt und das Zusammenwirken der Lernorte Berufsschule und Ausbildungsbetrieb kann intensiviert werden.

Mediengestütztes, gestaltungs-/ kompetenzorientiertes und vernetztes Lehren und Lernen soll Impulse zu einer Neuorientierung geben und zu einer Attraktivitätssteigerung in der beruflichen Bildung im Tourismus und Gastgewerbe beitragen.

Projekt EMAG, Ausschnitt aus dem Projektflyer (junge Frau am See sitzend hält Tablet ins Bild)
Abbildung 1: Ausschnitt Projektflyer

Berufsbildungskonzept

Im Zusammenwirken mit der Beruflichen Schule Müritz und Ausbildungsbetrieben im Land Fleesensee sowie Institutionen für digitale Lehr- und Lernmedien hat die Universität Rostock/Technische Bildung ein vernetztes Berufsbildungskonzept zur Aneignung von Medien- und Gestaltungskompetenz entwickelt und erprobt.

In Lernfeldern und Ausbildungsordnungen angesprochene Arbeit und Arbeitsprozesse werden von den Berufsschullehrern und betrieblichen Ausbildern mehr oder weniger zusammen mit den Auszubildenden erkundet. Die sich in den Lernorten gemeinsam stellenden zentralen Lernaufgaben werden identifiziert und von den Auszubildenden in der Schule und im Betrieb unter Nutzung der jeweiligen didaktisch-methodischen Potenziale möglichst selbstständig gelöst.

Darüber eignen sich die Auszubildenden die angestrebte Kompetenz zur zukünftigen Mitgestaltung der Arbeit und Arbeitsprozesse in den Betrieben an. Die Kompetenz ist eine Gestaltungskompetenz, da die Auszubildenden angehalten werden, erstens stets alternative Lernaufgaben und deren Lösungswege zu bedenken und zweitens in begründeter Weise die Aufgaben tatsächlich zu lösen. Digitale Medien sind Erkenntnis- und Gestaltungsmittel. Sie ermöglichen oder begünstigen vernetztes Lehren und Lernen.

Das Projekt EMAG hat zunächst eine Fortbildung für Lehrer und Ausbilder angeboten. Diese stellte auf mediengestütztes, vernetztes gestaltungs- und kompetenzorientiertes Lehren und Lernen ab. Inhalt war vor allem das Planen, Durchführen und Auswerten von berufsbildenden Lernprojekten sowie der sinnvolle Einsatz digitaler Medien. Die Lehrenden konnten anschließend in ersten Schritten einschlägige Lernprojekte konzipieren.

Digitale Lehr-Lernumgebung & Lernprojekte

Die digitale Lehr- und Lernumgebung zeichnet sich vor allem durch eine Plattform aus, die das vernetzte Zusammenwirken in der Schule und in den Betrieben sowie das Aneignen von Gestaltungskompetenz begünstigt hat. Die Plattform setzt sich zusammen aus einer grafischen Oberfläche und dem Open Source LMS ILIAS. Diverse Werkzeuge wie Forum, Chat, Wiki, Portfolio, Weblog und andere sind verfügbar.

Mithilfe dieser Plattform wurden beispielsweise die Lernprojekte „Vielfalt deutscher Biere“ und „Spirituosenwegweiser“ geplant, durchgeführt und ausgewertet. Die Auszubildenden kennen oft nur diejenigen Biersorten und Spirituosen, die im Betrieb angeboten und ausgeschenkt werden, und können hierzu nur begrenzte Auskünfte in einer Kundenberatung geben.

In den Lernprojekten war es daher die Aufgabe der Auszubildenden, in Deutschland gebraute und in Mecklenburg-Vorpommern besonders geschätzte Biere und arbeitsrelevante Spirituosen gemeinsam in einem Wiki abzubilden. Die beiden Wikis enthielten Informationen über das Flaschenetikett, den jeweiligen Alkoholgehalt, die Brauerei und Destillerie, Rohstoffe, korrespondierende Speisen und weitere Kriterien.

Mithilfe der Plattform und der digitalen Werkzeuge konnten die Auszubildenden, anders als im traditionellen Lehren und Lernen, Erkenntnisse gewinnen und mitgestalten. Durch die Wikis konnte eine kompetente Kundenberatung stattfinden. Die Auszubildenden konnten weitgehend selbstständig die Aufgaben lösen und sich erste Gestaltungskompetenz aneignen.

Projekt EMAG, Lehr-Lernplattform (Rezeption)
Abbildung 2: Lehr-Lernplattform

Fazit & Ausblick

In EMAG wurden erste Impulse zu einer Neuorientierung und Attraktivitätssteigerung in der beruflichen Bildung im Tourismus und Gastgewerbe gegeben. Das entwickelte Konzept leistet einen Beitrag für ein besseres Zusammenwirken von Berufsschule und Ausbildungsbetrieben. Es befördert die Medienkompetenz von Lehrenden und Lernenden sowie die systematische Integration von Medienbildungsprozessen im berufsbildenden Alltag.

Der Transfer der gewonnenen Einsichten auf das berufsbildende Lehren und Lernen drückt sich im Anschlussvorhaben LAGL (Lehr-Lernkonzept zur Aneignung beruflicher Gestaltungskompetenz in einer digitalen und vernetzten Lernumgebung im Tourismus und Gastgewerbe) aus. Hier wird das Berufsbildungskonzept mit kleineren Betrieben und anderen Regionen weiterentwickelt und erprobt.

Vor allem bedarf es der weiteren Fortbildung der Lehrer und Ausbilder in ihren neuen Rollen als Lernbegleiter, der Weiterentwicklung der Plattform, des weiteren Ausweisens und Erprobens der systematischen Planung, Durchführung und Auswertung von einschlägigen Lernprojekten und des Transfers der Projektergebnisse im Tourismus und Gastgewerbe, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern.