Erfahren ins Netz 2.0

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Das Vorhaben entwickelt Web 2.0-Technologien mit dem Ziel, Lernprozesse am Arbeitsplatz in der Altersgruppe 45plus zu unterstützen. Zielgruppe ist der öffentliche Dienst.

Kann Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung Lernprozesse am Arbeitsplatz unterstützen? Bestehen überhaupt Freiräume an den Arbeitsplätzen, wo Außenstehenden viele Abläufe standardisiert und die Handlungsspielräume der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng erscheinen?

Grafik, die den Austausch zwischen Verwaltung und Community veranschaulicht.
Abb. 1: Community mit Web 2.0 - Verwaltung

„Erfahren ins Netz 2.0“ hat von 2010 bis 2012 versucht, darauf eine Antwort zu finden. Sogenannte Mikroprojekte, die die Anwendung von Web 2.0 am Arbeitsplatz zum Ziel haben, stellen das Lernvehikel dar. So hat das Projektteam zum Beispiel in den Zentralen Diensten ein „Vertretungswiki“ entwickelt, um eine wirkungsvolle Vertretung bei Abwesenheit zu gewährleisten. Es besteht aus Ablaufbeschreibungen und einfachen Informationssammlungen – wie Ansprechpartner bei Beschaffungen oder Kundennummern. Die Erfahrung mit solchen Projekten wird in der Community rückgekoppelt. Diese gehört zu einem Blended-Learning-Szenario, das den Verwaltungsmitarbeitern Web 2.0 näherbringt.

Online-basierte Lehrmethoden für ältere Beschäftigte

Im Fokus standen dabei insbesondere Angestellte ab dem Alter 45plus. Sich mit dem Lernen älterer Beschäftigter mit Web 2.0 auseinanderzusetzen, könnte vor dem Hintergrund der vorherrschenden Meinungen als unmögliches Unterfangen gelten. Warum sollten sich gerade Ältere mit dem Web 2.0 beschäftigen, die nur noch wenige Jahre zu arbeiten haben? Zumal sie, wenn es um das Internet geht, doch eher ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen fragen? Und warum sollte sich ausgerechnet die Öffentliche Verwaltung mit diesem Thema auseinandersetzen? Strahlt sie doch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch den Strukturen her wenig Modernität und geringe Veränderungsbereitschaft aus. Die Thematik provoziert geradezu die gängigen Vorurteile.

Jedoch ist es notwendig, sich mit dem Thema Selbstlernen im Web 2.0 in der Öffentlichen Verwaltung auseinanderzusetzen: Trotz aller Privatisierungen und Ausgründungen ist die Arbeit bis zur Rentenaltersgrenze hier immer noch die Regel. Dem Landesamt für Statistik NRW zufolge gehört bereits ca. die Hälfte der Beschäftigten in der Kommunalverwaltung Nordrhein-Westfalens der Altersgruppe 45plus an.

Für das Projekt war es daher eine wichtige Motivation,

  • ältere Angestellte in den Veränderungs- und Erneuerungsprozess der Öffentlichen Verwaltung mit einzubinden
  • und hierfür die Potentiale von Web 2.0 zu erschließen.

Umsetzung

Mit folgenden Leitfragen ist „Erfahren ins Netz 2.0“ in die Projektentwicklung gestartet:

  1. Wie muss ein Design der Qualifizierung aussehen, damit dies Zielgruppe den Nutzen von Web-2.0-Plattformen für die eigene Weiterbildung erkennt?
  2. Welche Anforderungen müssen Web-2.0-Umgebungen erfüllen, damit Ältere sie akzeptieren?
  3. Können Web-2.0-Umgebungen das selbständige Lernen älterer Beschäftigter in Kommunalverwaltungen unterstützen und welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig?
  4. Wie können Angestellte der Altersgruppe 45plus, die noch bis zu 20 Jahre Berufstätigkeit vor sich haben, Kompetenzen erlangen, die
    1. es ihnen ermöglichen, Aufgaben im Umfeld immer neuer informationstechnologischer Anwendungen in der Verwaltung effizient zu erfüllen,
    2. für sie selbst gesteuertes Lernen als Grundlage selbstständiger Problemlösungen im Arbeitsprozess sowie persönliche Weiterentwicklung im Sinne des lebenslangen Lernens möglich macht?

In vier Probedurchgängen hat das Projektteam die Web-2.0-Tools mit dem größten Potential identifiziert und die Kursdauer um 25 Prozent verkürzt. Die Anwendung von Web 2.0 am Arbeitsplatz ist jedoch auf einige Hemmnisse gestoßen. Im Verlauf des Vorhabens hat „Erfahren ins Netz 2.0“ diese mithilfe von Expertinnen und Experten aus der Verwaltung konkretisieren und passende Lösungsvorschläge dafür finden können.

Fazit

Als wichtig stellte sich heraus, dass die Organisation in der Lage ist, die Ideen der Teilnehmenden, die sie in der Ideenbörse entwickelt haben, aufzugreifen. Auch sind bestimmte Rahmenbedingungen notwendig: Dazu gehören eine Ermöglichungskultur und klare, auf die Bedürfnisse der Verwaltung passende Guidelines für den sicheren Umgang mit dem Web 2.0. Bestimmte Mikroprojekte haben ihren Beitrag geleistet: Mit dem notwendigen Commitment der Führungskräfte ist es möglich gewesen, interessante Vorhaben zu realisieren. Diese haben auch nach dem Ende des Projekts zu mehr Offenheit und Kommunikation – sowohl innerhalb der Verwaltung, als auch mit den Bürgerinnen und Bürgern – beitragen.

Die Ergebnisse sind Ende 2012 in einem Buch im Waxmann-Verlag erschienen.