Erfurt - 03.07.2019

KeaPdigital-Workshop Erfurt

Wie können frei zugängliche Bildungsmaterialien, VR-Technik und IT-gestützte Lehr-/Lernstrukturen in die berufliche Aus- und Weiterbildung integriert werden? Konkrete Antworten auf diese Frage gaben die Workshops der BMBF-Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" am 3. Juli 2019 in Erfurt.

Im Austausch mit Expertinnen und Experten auf dem Gebiet digitaler Medien im Bildungsbereich, konnten sich die Teilnehmenden der bundesweiten Veranstaltungsreihe, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt wird, aus erster Hand über Konzepte, Tools und Anwendungen informieren, die sich bereits im Berufsbildungsalltag bewährt haben und auf vielen Anwendungsgebieten einsetzbar sind. Die Möglichkeit, Vorgestelltes selbst auszuprobieren und gemeinsam offene Fragen zu erörtern, stand dabei – wie bei allen Etappen der BMBF-Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" - im Vordergrund.

Referenten und Verantwortliche BMBF-Roadshow Erfurt 2019
Referenten und Verantwortliche der BMBF-Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" am 3. Juli 2019 in Erfurt. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Veranstalter/-innen und Referenten der 17. Etappe der BMBF-Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" am 3. Juli 2019 in Erfurt (v.li.): Dr. Lutz Goertz (mmb-Institut für Medien- und Kompetenzforschung), Dr. Stephan Pfisterer (BMBF), Dr. Sabine Preusse (RaumZeit e.K.), Olaf Aschmann (Kompera GmbH), Thomas Hagenhofer (Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien), Max Zollenkopf (Kompera GmbH), Elisa Bruhn (BIBB), (Alexander Graf (BIBB) und Thomas Malcherek (HWK Erfurt)

Die Referentinnen und Referenten der Workshops OER, KeaP digital und Social Virtual Learning stellten in den Räumen des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer Erfurt ein buntes Portfolio an Inhalten vor, die aus dem BMBF-Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" hervorgegangen sind. Wie BMBF-Vertreter Dr. Stephan Pfisterer zur Eröffnung der Veranstaltung betonte, legt das Ministerium ein besonderes Augenmerk auf den Transfer von Ergebnissen aus der Projektarbeit in die Aus- und Weiterbildungspraxis. Die Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" stellt dabei einen wichtigen Baustein dar, der die Weitergabe und Zugänglichmachung von Erkenntnissen aus ausgesuchten Verbundvorhaben – sogenannten "Best-Practice-Fallbeispielen" - seit 2016 unterstützt.

BMBF-Roadshow Digitale Medien im Ausbildungsalltag in Erfurt 2019
Die Roadshow-Veranstaltung in den Räumen des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer Erfurt richtete sich an Verantwortliche aus der Berufsbildung. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, bezeichnete den Transfer und Einsatz von digitalen Medien in seinem Grußwort als "komplexen Weg", betonte aber, dass es sich dabei um einen Weg handele, den man gehen müsse. Laut Malcherek verändere die Digitalisierung die Welt und auch das Handwerk, das sich bereits in der Vergangenheit als anpassungsfähig erwiesen hat, müsse sich verändern. Als Beispiel für eine zeitgemäße Integration von digitalen Medien in die Berufspraxis nannte der Hauptgeschäftsführer den Einsatz von Drohnentechnologie in der Dachdeckerbranche.

Nach einer Einführung zu den Inhalten der parallel stattfindenden Anwenderworkshops durch Elisa Bruhn, wissenschaftliche Mitarbeiterin im BIBB, sowie einer kurzen Vorstellung der Referentinnen und Referenten, teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die rund dreistündigen Workshops OER, KeaP digital und Social Virtual Learning auf.

Inhalte der Workshops

Anwenderworkshop I: Open Educational Resources (OER) - Offene Bildungsmaterialien aus dem Internet in der Berufsausbildung richtig nutzen

OER-Workshop Roadshow Erfurt 2019 Sabine Preusse
Dr. Sabine Preusse (re.) stellte den Teilnehmenden im Workshop OER Möglichkeiten zur Nutzung freier Lernmaterialien im Lehr-/Lernprozess vor. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Ist es möglich Materialien aus dem Internet in der Berufs­ausbildung zu verwenden, zu verändern, zu verbreiten, zu vervielfältigen und als Teil eigener Materialien zu verar­beiten, ohne den Fallstricken des Urheberrechts zu unter­liegen? Dieser Frage widmete sich die OER-Fachexpertin Dr. Sabine Preusse (RaumZeit e.K.) in einem exklusiv für die Roadshow-Etappe in Erfurt angebotenen Workshop. Im Dialog mit den Teilnehmenden wurden Verwendungsmöglichkeiten von Materialien, die unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlicht sind, vorgestellt. In Kleingruppen sowie im Austausch mit allen Workshop-Beteiligten konnte dabei ein Blick auf die Chancen und Risiken von Open Educational Resources (OER) geworfen werden.

Dr. Sabine Preusse Workshop OER Roadshow Erfurt
Im Dialog mit den Teilnehmenden identifizierte Preusse Unklarheiten bei der Nutzung von OER und gab hilfreiche Tipps zur korrekten Verwendung. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Frau Dr. Preusse, die an dem BMBF-geförderten Projekt OER-MuMiW beteiligt war, führte die Workshop-Teilnehmenden fallbeispielhaft und anschaulich in das Einmaleins freier Lernmaterialien ein. Der Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden erleichterte dabei die Fokussierung auf besonders komplexe Aspekte der OER-Nutzung, zu denen Dr. Preusse konkrete Hilfestellungen und Tipps geben konnte.

Hinweis: Die Präsentation des Workshops OER finden Sie in Kürze auf dieser Seite als Download!

Anwenderworkshop II: KeaP digital - Betriebliche Experten entwickeln digitale Lerneinheiten für Anlernprozesse am Produktionsarbeitsplatz

Workshop KeaP digital Roadshow Erfurt 2019
Olaf Aschmann (Foto, li.) und Max Zollenkopf gaben den Teilnehmenden eine Antwort auf die zentrale Frage: Wie können Anlernprozesse digitalisiert werden? Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Die Frage, um die es im Workshop KeaP digital ging, lautete: Wie können Anlernprozesse sinnvoll digitalisiert werden, und welche Chancen und Herausforderungen gilt es hierbei zu beachten? Ausgehend vom klassischen "Patenmodell", bei dem erfahrene Mitarbeiter/-innen neue Kollegen/-innen am Produktionsarbeitsplatz einarbeiten, ist im Projekt KeaP digital ein Tool entstanden, das diese analoge Praxis um digital gestützte Lernformen erweitert. Vorgestellt wurde KeaP digital in Erfurt von Olaf Aschmann und Max Zollenkopf (beide Kompera GmbH).

Workshop KeaP digital Roadshow Erfurt 2019
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten die KeaP-Lernanwendung selbst ausprobieren und sich mit den Referenten darüber austauschen. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

Das KeaP-System ermöglicht mit einer IT-gestützten Lehr-Lern-Struktur, Anlernprozesse prozessorientiert aufzubereiten und zu digitalisieren. Erfahrene Fachkräfte erfassen implizites Wissen über Arbeitsprozesse explizit in digitale, konfigurierte Lerneinheiten. Anzulernende können dann zeitlich flexibel auf die Inhalte der KeaP-Lernanwendung zugreifen und ihren Lernfortschritt dokumentieren. Die Workshop-Teilnehmenden in Erfurt lernten die Bedienung der KeaP-Lernanwendung kennen und bereiteten einen Anlernprozess exemplarisch auf. Die KeaP-Lernaufgaben bestehen aus einem Lernziel, Aufträgen und Lernmaterialien.

Anwenderworkshop III: Social Virtual Learning – Gemeinsames Lernen in der virtuellen Realität

Thomas Hagenhofer Workshop SVL Roadshow Erfurt 2019
Thomas Hagenhofer (Foto) konnte mit Social Virtual Learning die Vorteile von VR- und AR-Technik im Kontext beruflicher Aus- und Weiterbildung aufzeigen. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

"Lernen und Arbeiten, womit andere nur spielen". Mit diesen Worten stellten Thomas Hagenhofer (Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien) und Dr. Lutz Goertz (mmb-Institut) in Erfurt die Möglichkeiten vor, die die virtuelle und erweiterte (englisch "augmented") Realität der beruflichen Aus- und Weiterbildung bieten. In den Projekten Social Virtual Learning bzw. SVL 2020, die auf dem ebenfalls BMBF-geförderten Projekt Social Augmented Learning aufbauen, ist eine anpassbare 3D-Lernumgebung entstanden, in der Maschinenprozesse sichtbar gemacht werden können, die ohne Datenbrille im Verborgenen bleiben würden. Das Besondere: Ausgestattet mit zwei Controllern können Nutzerinnen und Nutzer mit den am Computer generierten Maschinen interagieren, sie etwa anhalten und starten oder auseinander und wieder zusammenbauen. Vorgänge, die dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Funktionsweise der Objekte zu erlangen und Lernerfolge auch dort ermöglichen, wo die dargestellten Maschinen physisch mitunter gar nicht vorhanden sind.

Lutz Goertz Workshop SVL Roadshow Erfurt 2019
Die Teilnehmenden konnten selbst in die virtuelle Realität eintauchen und wurden dabei von den Referenten Thomas Hagenhofer und Dr. Lutz Goertz (re.) begleitet. Foto: Andreas Hultsch © BIBB

In Erfurt bekamen alle Teilnehmenden des Workshops Social Virtual Learning die Gelegenheit, in die Rolle eines virtuellen Monteurs zu schlüpfen, der Reparaturarbeiten an einer komplexen Druckmaschine durchführt.

Kontakt

Bei Fragen rund um die BMBF-Roadshow "Digitale Medien im Ausbildungsalltag" senden Sie eine Nachricht an roadshow@qualifizierungdigital.de

Bildnachweis: Andreas Hultsch © BIBB