Fachgespräch zum Thema "Digitalisierung in Schule, Ausbildung und Hochschule" im Bundestag

Reichstagsgebäude mit Kuppel bei Tageslicht

Die Digitalisierung muss vorangetrieben werden. Das war der Tenor eines öffentlichen Fachgesprächs zum Thema "Digitalisierung in Schule, Ausbildung und Hochschule" vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag.

Dr. Alexander Classen, Geschäftsführer der Digitalen Hochschule NRW, FernUniversität Hagen, machte deutlich, dass die Digitalisierung für alle "Leistungsdimensionen" einer Hochschule von Bedeutung sei. Digitalisierung müsse zum Normallfall der akademischen Wissensvermittlung werden. Die Beurteilungs- und Verwendungsfähigkeit neuer Medien müsse gesteigert werden.

Man dürfe die Fehler der letzten 30 Jahre bei der Digitalisierung im Bildungswesen nicht wiederholen oder fortsetzen. Das mahnte Prof. Dr. Ira Diethelm an. Sie lehrt Didaktik der Informatik an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Deshalb sei es nötig Digitalisierung in allen Fächern gemeinsam mit dem Leitfach Informatik umzusetzen, Medienpädagogen an Schulen zu etablieren, Schulen nachhaltig und adäquat technisch auszustatten und die Lehrerbildung voranzutreiben. Zudem plädierte sie dafür, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern für Forschung und Entwicklung, also auch speziell für die Forschungsförderung, abzuschaffen.

Ziel müsse ein innovatives und zukunftsfähiges Bildungssystem sein, das den großen Herausforderungen im Bildungsbereich nachkomme und bestmögliche Bildungschancen für alle Schülern gewährleiste. Dafür plädierte Prof. Dr. Birgit Eickelmann vom Lehrstuhl für Schulpädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Paderborn. Investitionen in Bildung und in Schulen sollten auch in Deutschland mehr als bisher als Investitionen in die Zukunft des Landes verstanden werden.

"Nachhaltigkeit berücksichtigen"

Prof. Dr. Monika Gross, Vizepräsidentin für Digitale Infrastrukturen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Präsidentin der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, machte deutlich, dass im Bereich der digitalen Lehre aus Sicht der Hochschulrektorenkonferenz vor allem die Nachhaltigkeit berücksichtigt werden müsse. Vor der Vergabe von einmaligen Mitteln zur Anschubfinanzierung sollten Konzepte erarbeitet werden, wie die etablierten Strukturen auch künftig aus laufenden Haushaltsmitteln und mit vorhandenen Ressourcen aufrechterhalten werden können. Angesichts begrenzter Ressourcen der Hochschulen sollten die geplanten Digitalisierungsvorhaben durch ein angemessenes Verhältnis zwischen der Höhe der eingesetzten Mittel und der Größe der zu erreichenden Zielgruppe gekennzeichnet sein.

Prof. Dr. Bardo Herzig, Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Paderborn, unterstrich, dass die durch Digitalisierung und Mediatisierung induzierten Veränderungsprozesse fundamental für die Gesamtgesellschaft seien und eine zentrale Bedingung im Hinblick auf die Sicherung Deutschlands als wettbewerbsfähigen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort darstellten. Digitale Medien würden ihre Potenziale allerdings erst in didaktisch kompetentem Umfeld entfalten können. In diesem Zusammenhang warb Herzig auch für eine bessere Lehrerausbildung.

Videoaufzeichnung des Fachgesprächs

 

Liste der geladenen Sachverständigen

  • Dr. Alexander Classen, Geschäftsführer der Digitalen Hochschule NRW, FernUniversität Hagen
  • Prof. Dr. rer. nat. Ira Diethelm, Universitätsprofessorin für Didaktik der Informatik, Fakultät II – Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
  • Prof. Dr. Birgit Eickelmann, Lehrstuhl für Schulpädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Paderborn
  • Prof. Dr. rer. nat. Monika Gross, Vizepräsidentin für Digitale Infrastrukturen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Präsidentin der Beuth Hochschule für Technik Berlin
  • Prof. Dr. Bardo Herzig, Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Paderborn
  • Prof. Dr. Gerald Lembke, Studiengangsleiter, Digitale Medien, Medienmanagement & Kommunikation, Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Mannheim
  • Dr. Udo Lemke, Geschäftsführer bei Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH, Frankfurt am Main
  • Dr. Ekkehard Winter, Mitglied des Forums Bildung Digitalisierung e. V., Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, Bonn

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