Flexicare 50+ - E-Learning für erfahrene Pflegefachkräfte

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Das Projekt entwickelt, erprobt und evaluiert neue online-gestützte Qualifizierungswege für Pflegefachkräfte der Altersgruppe 50+. Dadurch sollen sich diese trotz hoher Arbeitsbelastung und eines wachsenden Kostendrucks weiterbilden können.

Die Pflegeberufe stehen vor neuen Herausforderungen: Der quantitative Bedarf an pflegerischen Dienstleistungen steigt aufgrund einer immer älter werdenden Bevölkerung. Zudem nimmt der Bedarf an aktuellem Wissen zu unterschiedlichsten Themen zu, da sich die Arbeitsprozesse aufgrund einer kürzeren Verweildauer im stationären Bereich verdichten. Ein weiterer Grund hierfür ist die Komplexität des individuellen Krankheitsgeschehens. Daher fordert der Gesetzgeber: Kranke bzw. Pflegebedürftige sind nach dem neuesten Stand der Pflegewissenschaft zu versorgen (Krankenpflegegesetz-KrPfG 2003).

Die Pflegenden der Altersgruppe 50plus verfügen über wertvolle Berufserfahrung. Mit pflegewissenschaftlichen Methoden, wie der evidenzbasierten Pflege (Evidence Based Nursing, kurz EBN) sind sie jedoch nicht vertraut.

Wissensbestände systematisch erschließen

Foto: Zu sehen sind mehrere Teilnehmende in einer Art Hörsal. Im Vordergrund des Bildes sind zudem drei Frauen zu sehen, die jeweils mithilfe eines Tablets lernen
Abb. 1: Teilnehmerinnen lernen mit Tablet

Hier setzt das Projekt „Flexicare 50+“ an: Ziel ist es, beide Aspekte miteinander zu verbinden und die Pflegepraxis in einen Dialog mit der Wissenschaft zu bringen. In dem Vorhaben lernen die Pflegenden, sich die Wissensbestände der Pflegewissenschaft systematisch zu erschließen. Darüber hinaus können sie diese im Sinne des lebenslangen Lernens in das eigene Handlungsrepertoire integrieren.

Bis zu 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden sich in Lerneinheiten auf dem Tablet sowie in Blended-Learning-Kursen in einem „Virtuellen Klassenraum“ weiter. Sie entwickeln mit der EBN-Methode selbstständig Lösungen für komplexe Pflegeprobleme, die sie tagtäglich in der Klinik erleben. Die Tablet-PCs unterstützen dabei die Selbstorganisation beim Lernen: Sie ermöglichen es den Teilnehmenden, auf die Lernplattform zuzugreifen, mittels E-Mail und Foren miteinander zu kommunizieren und den Lernprozess zu dokumentieren.

Lernen im Prozess der Arbeit

Foto: Das Bild zeigt zwei Pflegerinnen, die gemeinsam auf ein Tablet schauen
Abb. 2: Zwei Pflegerinnen mit Tablet-PC

Die drei eingesetzten Lernszenarien folgen einem übergeordneten didaktischen Grundprinzip: Sie beziehen die „Lerngegenstände“ aus dem unmittelbaren Arbeitsprozess und führen sie – im Schritt der Erprobung – dorthin zurück. Die Themen wählt das Projektteam nach der Prämisse, dass sie über die Projektteilnehmenden und durch sie zu legitimieren sind. Vor diesem Hintergrund führt es eine Erhebung bei Klinikleitungen und eine Stichprobe bei Teilnehmenden durch und leitet daraus die für das Lernszenario „Micro Learning“ relevanten Themen ab.

Im Lernszenarium „Blended Learning“ bearbeiten die Teilnehmenden dann die Pflegeprobleme, die sie aus ihrem unmittelbaren Arbeitskontext selbst gewonnenen haben. Denn das Lernen in authentischen Situationen fördert die Kompetenz, in Alltagssituationen handlungsfähig zu sein und darüber die Arbeits- und Handlungsbedingungen zu gestalten. Auch versetzt es die Pflegekräfte in die Lage, die vertrauten Arbeitsroutinen – methodisch gelenkt – zu reflektieren.

In den drei Lernszenarien bringt das Vorhaben die so gewonnenen Pflegethemen in die Auseinandersetzung mit

  • der neuen Formsprache digitaler Medien
  • der Zielsetzung pflege- und mediendidaktischer Konzepte

Lernszenarium 1: Micro Learning

In diesem Szenario entwickelt das Projekt modulare webbasierte Lernlektionen zu Pflegethemen. Sie vermitteln ein modernes Selbstverständnis der Pflege und tragen zu deren Professionalität bei.

Folgende Lektionen hat das Vorhaben im Projektverlauf bereitgestellt:

  • Wege zu neuem Wissen: Eigene Anfragen an die Wissenschaft am Beispiel des Umgangs mit MRSA (multiresistente Bakterien – Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus),
  • Das neue Berufsprofil: Bin ich noch Assistenz der Ärztin oder des Arztes – ja/nein: Berufegesetze,
  • Beratung als Methode der Entscheidungsfindung: „Schwester, ich hab da mal eine Frage …“,
  • Die Fallbesprechung – drei Perspektiven auf Ziele und Methoden.
Screenshot: Der Bildausschnitt zeigt die Rubrik
Abb. 3: „Flexicare 50+“-Lernplattform: Micro Learning – Beratung als Methode der Entscheidungsfindung

Lernszenarium 2: Blended Learning

Die Teilnehmenden lernen, die EBN-Methode auf ein selbst gewähltes Problem aus ihrem Arbeitsalltag anzuwenden. Insgesamt haben die Pflegekräfte bisher 26 Fragestellungen bearbeitet. Dazu gehören beispielsweise:

  • Wie betreue ich unruhige demenziell erkrankte Patienten/-innen bei einer räumlichen Veränderung wie dem Krankenhausaufenthalt?
  • Wie wirkt sich Gangunsicherheit auf das Autonomiebestreben der Patienten/-innen aus?
  • Wie begleite ich als Pflegender/-e die Patientinnen mit Spätabort und Totgeburt?
  • Wie betreut man Patienten/-innen mit einem künstlichen Darmausgang, die vor einer völlig neuen Lebenssituation stehen?

Das Blended-Learning-Lernszenarium umfasst insgesamt 320 Lernstunden (Präsenz und Selbstlernzeit). Neben webbasierten Informationsangeboten können die Teilnehmenden einen virtuellen Seminarraum nutzen.

Lernszenarium 3: Communities of Practice

Dieses Szenarium bietet die Möglichkeit, sich in Foren via Internet mit Pflege-Spezialistinnen und -Spezialisten aus den anderen Partnerkliniken auszutauschen. Bei einer Online-Abstimmung zu fachbezogenen Foren haben die Teilnehmenden sich mehrheitlich für „Schmerzen“ als Einstiegsthema für die Communities of Practice entschieden. Darüber hinaus finden sich dort folgende übergeordnete Themenfelder:

  • Lebenslanges Lernen
  • Erfahrungsaustausch/Diskussion zur Lernplattform selbst
  • Themen der ersten beiden Lernszenarien (Micro Learning und Blended Learning)