HR-Experten betreten digitale Lernräume im Sensorik-Netzwerk

Anwendung VR-Datenbrille

Wie neue Technologien das Lernen am Arbeitsplatz fördern und erleichtern können, war die diesjährige Leitfrage des HR-Expertenforums am 18. Juli 2019 in Regensburg. Die Veranstaltung ist Teil des BMBF-geförderten Projekts CoDiCLUST und bietet eine Plattform, sich mit den Trends der Arbeitswelt aktiv auseinandersetzen.

Expertinnen und Experten der Bosch Software Innovations GmbH, dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung und dem Open Science Lab der Technischen Informationsbiblithek (TIB) teilten im Rahmen des HR-Expertenforums Erfahrungswerte und neueste Forschungsergebnisse zum Einsatz digitaler Lernmethoden aus. Die rund 50 Teilnehmenden in der Regensburger TechBase konnten im interaktiven Teil der Veranstaltung auf ihre eigene digitale Lernreise gehen und sich neue Einblicke von den vorgestellten Trends verschaffen.

HR-Expertenforum CoDiCLUST 2019 Regensburg
Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am 18. Juli 2019 zum HR-Expertenforum in die Regensburger TechBase gekommen. Foto: Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.

Smart Learning Environments, immersives Training und fälschungssichere Zeugnisse durch Blockchain

Jasmin Mühlbach Bosch HR-Expertenforum 2019 Regensburg CoDiCLUST
Jasmin Mühlbach (Bosch Software Innovations GmbH). Foto: Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.

Wie Zukunftstechnologien das lebenslange Lernen am Arbeitsplatz fördern, zeigte Jasmin Müller (Bosch Software Innovations GmbH) anhand von Smart Learning Environments (SLEs). "Bereits 1991 hatte Mark Weiser die Vision des vernetzten und intelligenten Arbeitsplatzes, bei dem der Kugelschreiber eine E-Mail versenden kann und alle Geräte untereinander kommunizieren können."

SLE im Jahr 2019 präsentieren dem Lernenden Inhalte nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern auch auf die richtige Art und Weise. Ziel hierbei sei es jedoch nicht, klassische Trainings abzuschaffen, so Müller. Vielmehr ginge es darum, die physische Welt mit digitalen Assistenten zu bereichern. Müller: "Intelligente Lernumgebungen verbinden unsere physische Welt mit der digitalen Welt." Exemplarisch dafür stehen etwa der "Merge Cube" (ein Schaumstoffwürfel, der als optischer Trigger die Darstellung und Interaktion von Hologrammen unterstützt) oder Poster und Fotodokumentationen, die mit augmentierten Inhalten versehen werden.

Mario Aehnelt Fraunhofer HR-Expertenforum 2019 Regensburg CoDiCLUST
Mario Aehnelt (Fraunhofer-Institut). Foto: Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.

Mario Aehnelt vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung stellte mit "Machine@Hand" eine praxiserprobte Lösung für das sog. immersive Training vor. Dieser Ansatz ist insbesondere für produzierende Unternehmen interessant. Aehnelt: "Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt führen zu einem Wandel. Während Informationsmengen und Informationsvielfalt steigen, sinken Transparenz und Handlungsfähigkeit des Menschen."

Methoden wie die immersive Assistenz am Arbeitsplatz können der dadurch entstehenden Unsicherheit und Fehleranfälligkeit jedoch entgegenwirken. Erprobt haben Aehnelt und sein Projektteam diese Methode in den vergangenen Jahren im Bereich der Druckindustrie. Lernen und Training finden zwar virtuell statt, im Zuge eines immersiven Trainings, das Augmented und Virtual Reality verbindet, ist jedoch eine natürliche Bewegung des Lernenden möglich. Gerade für Tätigkeiten wie Aus- und Einbauübungen ist dies von großem Vorteil. Auszubildende können so - ähnlich wie bei einem Röntgengerät - mit dem Tablet einen Blick in eine Maschine werfen, während diese in Betrieb ist.

Lambert Heller TIB HR-Expertenforum 2019 Regensburg TechBase CoDiCLUST
Lambert Heller (ZIB). Foto: Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.

Blockchain und verwandte Techniken des "Decentralized Web" stellen die Dominanz digitaler Plattformen in Frage. Sie ermöglichen etwa Geld ohne Banken oder die Verfügbarkeit von Forschungsdaten ohne zentrale Datenarchive. Auch die Zertifizierung im Bereich der beruflichen Bildung könnte sich damit künftig verändern. Diesen Ausblick gab Lambert Heller vom Open Science Lab der TIB.

"Qualifikationen lassen sich leicht authentifizieren, verarbeiten und bieten dem Halter des Zertifikats gleichzeitig eine hohe Souveränität im Umgang mit diesen personenbezogenen Daten", erklärte Heller, der sich mit seinem Team im Horizon2020-geförderten Projekt "QualiChain" mit genau diesem Thema befasst. In einem dynamisch wachsenden Bildungsmarkt und unter den Bedingungen der Europäischen Datenschutzgrundverordnung sei die Kombination dieser Eigenschaften vielversprechend, so sein Resümee.

Bildnachweis: Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.