HR-Expertenforum: Agiles Sprintlernen, Managed Forgetting und Working Out Loud

Workshop CodiCLust-Projekttreffen

Voneinander und miteinander lernen sowie unternehmensrelevantes Wissen sichern – wie gelingt das? Drei Impulse zeigten beim diesjährigen HR-Expertenforum des Sensorik-Netzwerks "Erfolgsfaktor 'know now' – Wissen und Lernen in agilen Zeiten" neue Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich Wissensmanagement: Agiles Sprintlernen, Managed Forgetting und Working Out Loud.

Im Sensorik-Netzwerk entsteht im Zuge des BMBF-geförderten Projekts CoDiCLUST eine neue Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema "Digitales Lernen". Das "Human-Resources-Expertenforum" in Regensburg ist Teil dieses Projekts und bietet eine Plattform für alle, die sich mit den Trends der Arbeitswelt aktiv auseinandersetzen und sich neue Impulse für die eigene Arbeit holen wollen. Mit dem jährlichen HR-Expertenforum unterstützt das Sensorik-Netzwerk nicht nur eine branchenübergreifende Vernetzung, sondern ermöglicht Sensorik-Akteuren, ihr Wissen auch über die Grenzen der Technologie hinaus zu erweitern. Nach kurzen Impulsen bundesweiter Experten und Best Practices zu aktuellen und künftigen Themen der modernen Arbeitswelt ließ das Sensorik-Netzwerk die Teilnehmenden (Geschäftsführer, Personalleiter und -verantwortliche, HR-Experten) in einer interaktiven Kommunikationseinheit zu Wort kommen.

Agiles Sprintlernen

Arbeitsbedingungen und Aufgaben ändern sich aktuell in einer enormen Geschwindigkeit. Wie kann auch Weiterbildung aktuell bleiben, wenn die Entwicklung eines Seminarangebots länger dauert als der nächste technologische Sprung eines Unternehmens? Wie können Beschäftigte dies auch unmittelbar als sinnvoll erleben? Das "Agile Sprintlernen" hilft Beschäftigten als arbeitsintegrierter Ansatz, sich für ihre Aufgabe relevantes Wissen anzueignen und ihre berufliche Handlungskompetenz in dynamischen Umgebungen auszubauen.

Gabriele Korger HR-Expertenforum 2020
Im Projekt "in MEDIAS res" hat Gabriele Korge (Fraunhofer IAO) mit ihrem Team das "Agile Sprintlernen" aufgegriffen. Foto: Sensorik-Netzwerk

Im Projekt "in MEDIAS res" hat Gabriele Korge (Fraunhofer IAO) mit ihrem Team das "Agile Sprintlernen" bereits vor mehreren Jahren aufgegriffen. Es orientiert sich an der agilen Projektmanagementmethode Scrum. Lernen wird hier nicht vorab nach traditionellen Fach-Systematiken aufbereitet, vielmehr wird der Lernende zum Mitgestalter seines Lernwegs, ein Sprintbegleiter steht ihm zur Seite. "in MEDIAS res" – mitten in diese Lernmethode gerieten auch die Teilnehmer zu Beginn des HR-Forums. Sie konnten in einem Mock-up sämtliche Phasen – vom Kick-off über die Planung, den Lernsprint und das Review bis zur Retrospektive – durchleben. Dies geschah anhand von realen Aufgabenstellungen: "Welche Vision verfolgen Sie mit dem Intranet?" und "Wie wollen Sie Betroffene zu Beteiligten machen – in der Startphase des Vorhabens Intranet?".

Managed Forgetting

"Mittlerweile begleiten uns KI-basierte Assistenzsysteme in der täglichen Arbeit", so Christian Jilek vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Warum diesen Gedanken nicht auch beim Bereinigen der Festplatte aufgreifen? Ganz neu ist diese Idee nicht, die Forschung am DFKI beschäftigt sich hiermit schon einige Jahre: "Managed Forgetting", also die Einführung des Vergessens in das Wissensmanagement, ist ein vielversprechender Ansatz zur Reduktion der Informationsflut und zur Fokussierung auf wichtige Informationen und deren Auffindbarkeit. In seinem Foresight "Gezieltes Vergessen: hin zum Computer, der sich selbst aufräumt" stellte Jilek den aktuellen Stand der Entwicklungen des Semantic Desktop Assistent und des Personal Information Models (PIMO) im Detail vor. Desktop ist dabei nicht ausschließlich als PC zu verstehen – auch als Dashboard im industriellen oder gar im kommunalen Bereich lässt sich das Modell einsetzen.

Christian Jilek im HR-Expertenforum 2020
Christian Jilek vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beschäftigt sich mit dem Thema "Managed Forgetting". Foto: Sensorik-Netzwerk

Kurzfristige Unterstützung erhält ein Nutzer z.B. durch das Ausblenden aktuell für ihn nicht relevanter Informationen. Langfristig lassen sich Ordner ausmisten oder restrukturieren, um so die persönliche Informationssphäre des Nutzers sowie das Unternehmensgedächtnis aufgeräumter zu halten – Lokalität und Transparenz sind daher Charakteristika des Systems. Hohe Anforderung stelle natürlich in diesem Kontext die Echtzeitfähigkeit und Nutzerfreundlichkeit in der Handhabung dar. Aspekte, die das interdisziplinäre Forscherteam des Projekts aus den drei Bereichen Kognitionswissenschaften, Informationsanalyse & Retrieval sowie Wissensmanagement immer im Blick haben. Während die aktuellen Prototypen noch regelbasiert lernen, ist es in den nächsten Jahren Ziel, das Lernen des Computers sukzessive zu automatisieren.

Working Out Loud

Was hat "Working Out Loud" (WOL) mit Wissensmanagement, digitalem Lernen und virtueller Führung zu tun? Was ist der Mehrwert für das Unternehmen, aber auch für den einzelnen Beschäftigten? Diese Fragen beantwortete Lukas Fütterer dem Publikum. Er hat bei der Daimler AG federführend Working-Out-Loud-Circles etabliert und in seiner selbstständigen Tätigkeit zahlreiche weitere Unternehmen auf dem Weg zu einer flexibleren Lernorganisation begleitet – von der Graswurzelinitiative bis hin zur selbstorganisierten Bewegung. Sich gezielt zu vernetzen, seine Arbeit, aber auch den Menschen hinter der Arbeit sichtbar zu machen und selbstorganisiert zu lernen, steht im Fokus dieser Methode.

Lukas Fuetterer im HR-Expertenforum 2020
Lukas Fütterer hat bei der Daimler AG federführend Working-Out-Loud-Circles etabliert und zahlreiche weitere Unternehmen auf dem Weg zu einer flexibleren Lernorganisation begleitet. Foto: Sensorik-Netzwerk

"Working Out Loud kann gerade in digitalen Zeiten die Informalität stärken", so Fütterer. Zwölf Wochen treffen sich hier die Teilnehmer in einstündigen Meetings. Diese können vor Ort, aber natürlich auch im digitalen Raum stattfinden. Working Out Loud gibt hierbei die Struktur vor anhand konkreter Arbeitsaufgaben. Gerade um sich einem neuen Thema zu nähern, bedarf es oft neuer, anderer Perspektiven und Erfahrungen – je diverser ein WOL-Circle, umso besser.

Bildnachweis: Sensorik-Netzwerk