KNoTen Web 2.0 – Komplexes Notfall-Management-Training gekoppelt mit Web 2.0-Technologien

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Das Projekt entwickelt neue Qualifikationsmöglichkeiten unter Einbeziehung realer Handlungsabläufe für die Seeschifffahrt. Dabei soll ein ganzheitliches Blended-Learning-Konzept mit Web 2.0-Technologien zur Kommunikation zum Einsatz kommen.

Die Anforderungen an die Sicherheitsausbildung von Seeleuten haben sich im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht. Die Ursachen dafür sind unter anderem:

  • ein ständig zunehmendes Verkehrsaufkommen im Seetransport
  • der Trend zu immer größeren Schiffen mit immer weniger Crew
  • zunehmend internationalere Besatzungen
  • eine sich rasant entwickelnde Technik, insbesondere im Bereich der Kommunikationstechnik
  • zusätzliche Erschwernisse, wie zum Beispiel die Bedrohung durch Piraterie

Daraus leiten sich komplexe Weiterbildungsaufgaben ab. Zu nennen sind hier die Gebiete Risikoermittlung und -analyse, Gefahrenerkennung und -bewertung sowie Entscheidungsverhalten in Notsituationen.

Ganzheitliches Blended-Learning-Konzept mit abschließender Online-Prüfung

„KNOTEN 2.0“ hat auf der Basis vorhandener Lehrgänge neue Qualifikationsmöglichkeiten zunächst speziell für Seeleute auf Grundlage eines ganzheitlichen Blended-Learning-Konzeptes entwickelt:

Innerhalb einer betreuten Selbstlernphase nutzen die Teilnehmenden Online-Module, die sie über ein Learning-Management-System (LMS) abrufen können. Eine anschließende Online-Prüfung sichert ab, dass sie den Stoff verstanden haben und alle über den gleichen Wissensstand verfügen.

Die bestandene Onlineprüfung berechtigt zur Teilnahme an einem mehrtägigen Präsenzteil. Er vertieft das erlernte Wissen durch Diskussionen, Seminare und Workshops. Dort bereiten sich die Teilnehmenden auch auf die komplexe Notfallübung vor.

Es wird eine reale Notfallübung durchgeführt und über die KNOTEN-Station aufgezeichnet und kommentiert, um später eine effektive Übungsauswertung zu ermöglichen.

Der abschließende Präsenzteil dient dazu, die Notfallübung auszuwerten. Dabei besteht die Möglichkeit, externe Expertinnen und Experten über Web 2.0 zu integrieren. Danach folgt eine Abschlussprüfung.

Grafik: Das Schaubild gibt eine Übersicht über die vier im Text genannten Bestandteile des Blended-Learning-Konzeptes
Abb. 1: Struktur des ganzheitlichen Blended-Learning-Konzepts mit integrierter Notfallübung

System zeichnet in Echtzeit reale Übungen als Videostream auf

Eine Grundidee ist die Entwicklung eines mobilen Videokommunikationssystems („KNOTEN-Station“), das das Projekt bei realen Notfallübungen vor Ort installieren kann. Damit ist es möglich, reale Übungen als Videostream in Echtzeit online zu übertragen. Auch lassen sie sich aufzeichnen und später, zum Beispiel für Auswertungs- oder Ausbildungszwecke, wieder aufrufen und abspielen.

Durch die Übertragung können auch nicht beteiligte Personen die Übung mitverfolgen. Auch ist es möglich, bei konkreten Situationen Kommentare zu setzen und mitzuspeichern, sodass sie auch bei einem nachfolgenden Wieder-Abspielen verfügbar sind.

Das System bietet folgende neue Möglichkeiten:

  • nicht an der realen Übung beteiligte Personen lassen sich integrieren
  • reale Übungen in Bereichen mit beschränktem Zugang lassen sich besser durchführen
  • bessere Übungssteuerung durch Instruktoren, die erstmals über einen Gesamtüberblick des Ausbildungs- und Trainingsgeschehens an den verschiedenen Standorten verfügen können
  • praktische Sequenzen lassen sich zu Auswertungs- und Übungszwecken virtuell wiederholen

Anwendung ermöglicht nachträgliches Kommentieren und Bearbeiten

Grundbaustein der technischen Umsetzung sind vier mobile Kameras und Mikrofone, die sich an verschiedenen Orten installieren lassen. Sie sind über Netzkabel mit einem Videoserver verbunden. Die im Projekt entwickelte Software erstellt aus diesen einen Videostream und speichert ihn im mpg4-Format auf dem Server. Von dort lässt er sich online „in Echtzeit“ oder zu einem späteren Zeitpunkt abrufen.

Externen Zuschauern ist es möglich, Kommentare /Marker zu setzen und zu speichern. Beim Wieder-Abspielen können die Anwenderinnen und Anwender zeitlich von Kommentar zu Kommentar springen.

Die Benutzer-Oberfläche beinhaltet die Anzeige der vier Kameras in einzelnen Fenstern. Damit ist es möglich, ein neues Video zu starten, zu benennen, mit Markern zu versehen und zu stoppen. Bereits aufgezeichnete Videos lassen sich inklusive der angehängten Kommentare wieder aufrufen und abspielen.

Screenshot: Das Bild zeigt die Darstellung während eines ersten Einsatzes der KNOTEN-Station bei einer Brandbekämpfungsübung im Maritimen Brand- und Sicherheitszentrum Ostsee
Abb. 2: Screenshot eines Einsatzes der KNOTEN-Station bei einer Brandbekämpfungsübung im Maritimen Brand- und Sicherheitszentrum Ostsee

Die Videosequenzen überträgt und speichert das System direkt während der Übung. Sie dienen als Basis für die Teambesprechung und Auswertung nach einer Notfallübung. Auch ist es möglich, sie als Testszenarien für künftige Notfallübungen oder als Prüfungsgrundlage zu verwenden.

Übertragbarkeit der Projektergebnisse

Durch Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sowie künftigen Anwenderinnen und Anwendern kann das Projektteam die Trainingskurse individuell an Kundenwünsche anpassen. Weiterhin ist es möglich, die Kurse den geforderten gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechend zu modifizieren.

Die Mobilität der KNOTEN-Station ermöglicht den Einsatz an beliebigen Übungsorten. Eine Übertragung auf Trainings- und Ausbildungsszenarien ist unkompliziert. Das Konzept unterstützt intensiv Lernen im direkten Arbeitsprozess und am direkten Arbeitsort.