LernenPlus – Förderung beruflicher Medienkompetenz

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Das Projekt richtet sich an benachteiligte Jugendliche in der Einstiegsqualifizierung und Berufsvorbereitung. Um ihre Perspektiven zu verbessern, wird ein Konzept für die Selbstdarstellung im Internet als Baustein einer beruflichen Medienkompetenz erprobt.

Foto: Zwei junge Auszubildende, die zusammen an einem Tisch sitzen, auf ein Tablet schauen und Notizen aufschreiben
Abb. 1: Die Erstellung des eigenen Profils im Internet bietet Chancen, aber auch Risiken

Ziel von „LernenPlus“ ist es, die berufliche Medienkompetenz unabhängig von Fach und Betrieb zu fördern. Zielgruppe sind Jugendliche in der Einstiegsqualifizierung und berufsvorbereitenden Maßnahmen. Dafür hat die Arbeitsgruppe Medienpädagogik und das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen Schulungsunterlagen entwickelt.

Selbstdarstellung im Internet

Den Ausgangspunkt bildete dabei die Frage, welche Facetten der Medienkompetenz im Berufsleben und insbesondere im Berufseinstieg wichtig sind. Dazu gehören die berufliche Selbstdarstellung im Internet und der Umgang mit der Entgrenzung von Lebensbereichen (Beruf/Privatleben) durch digitale Medien.

Für Berufsanfängerinnen und -anfänger spielt die Selbstdarstellung im Internet eine große Rolle: sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Befragungsergebnisse im Projekt „LernenPlus“ bestätigen, dass die Eigendarstellung von Auszubildenden als Mitarbeitende eines bestimmten Arbeitsgebers wichtig ist. 90 Prozent der Jugendlichen im Alter von 18 bis 19 Jahren besitzen ein persönliches Profil in einem sozialen Netzwerk wie Facebook. Auch nutzen Personalverantwortliche diese, um Erkenntnisse über Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen.

Daher sollten Jugendliche sicherstellen, dass ihre Profile auf solchen Seiten keine unvorteilhaften Informationen enthalten. Auch bietet das Internet die Möglichkeit, sich gegenüber potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern positiv darzustellen und so die eigenen Chancen zu verbessern. Genauso ist es wichtig, Jugendliche in der Einstiegsqualifizierung auf ihre Rolle und Eigendarstellung als Mitarbeitende eines Unternehmens wie der Deutschen Bahn vorzubereiten. Im Internet sind die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben fließend. Diese Entgrenzung und die damit einhergehenden Chancen und Gefahren gilt es zu thematisieren.

Screenshot: Der Bildauschnitt zeigt das fiktive Facebookprofil von Anna Lepl
Abb. 2: Facebook Profil der virtuellen Persönlichkeit Anna Lepl

Beispiel für eine Schulungseinheit

Die Lerneinheit „(Berufliche) Selbstdarstellung im Internet“ regt Jugendliche dazu an, ihre Selbstpräsentation in sozialen Netzwerken zu reflektieren. Sie thematisiert Vor- und Nachteile der Selbstdarstellung im Internet im Hinblick auf den beruflichen Kontext sowie die Entgrenzung des Beruflichen und Privaten.

Nach einer Einführung und kurzer Diskussion lernen die Teilnehmenden die virtuelle Persönlichkeit Anna Lepl kennen: Sie ist ein 17-jähriges Mädchen, das nach dem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz als Reiseverkehrskauffrau anstrebt und über unterschiedliche Online-Profile verfügt.

Die Klasse wird in Gruppen mit unterschiedlichen Rollen aufgeteilt, um die Online-Profile von Anna zu analysieren und zu diskutieren. Beispiele hierfür sind die Rolle der Eltern, Lehrender, von Freundinnen und Freunden oder Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Anschließend diskutiert die Klasse die Gruppenergebnisse sowie Vor- und Nachteile der Online-Darstellung. Auch trägt sie Handlungsempfehlungen zusammen.

Danach recherchieren und analysieren die Lernenden Webseiten, die Tipps zu einer positiven Selbstdarstellung im beruflichen Kontext bieten. Zuletzt reflektieren sie ihre eigene Selbstdarstellung als Hausaufgabe.

„LernenPLus“ hat die Plattform „PeBBLe“ entwickelt, die sich im Kontext der Lerneinheit einsetzen lässt. Sie dient beispielsweise dazu, Diskussionsergebnisse in Gruppen sowie die Recherche zu Onlineseiten mit Informationen über positive Selbstdarstellung festzuhalten.

Screenshot: Der Bildschirmausschnitt zeigt die Startseite der Persönlichen Berufs- und Bildungs-Lernumgebung (PeBBLe), die im Projekt
Abb. 3: „PeBBLe“ – Persönliche Berufs- und Bildungs-Lernumgebung (Screenshot)

Die Lerneinheit ist zum Teil als „Offline-Material“ konzipiert: Statt Webseiten zeigt sie teilweise nur Screenshots. Dieses Setting folgte einer pädagogischen Überlegung: Die Jugendlichen sind den Anblick von Profilen auf Bildschirmen gewohnt. Ein Ausdruck auf Papier regt sie an, neu und anders über die Selbstdarstellung nachzudenken. Eine weitere Möglichkeit ist, die Profile mit einem Beamer an die Wand zu projizieren. Die vermeintlich höhere Authentizität dieser Darstellung soll die Motivation erhöhen, die Lerneinheit zu bearbeiten.

Anwendung: Erprobung und Evaluation der Schulungsmaterialien

Bereits im ersten Testzeitraum 2013/14 haben die Bildungsbegleitenden von ZukunftPlus e. V. die Lerneinheit eingesetzt. Die Evaluation fand durch das ifib (Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH) statt. Auf Basis dieses Feedbacks hat die Universität Bremen die Lerneinheit für den Erprobungszeitraum 2014/15 überarbeitet. Auch passte das ifib die Feedbackinstrumente entsprechend an. Zum ersten Mal konnte das Team in diesem Zeitraum auch das Feedback der Jugendlichen erheben, die an der Lerneinheit teilgenommen haben.

Nach der zweiten Erprobungsphase hat „LernenPlus“ die Lerneinheit überarbeitet. Grundlage hierfür war das Feedback der Bildungsbegleitenden sowie der Teilnehmenden aus der Einstiegsqualifizierung und den berufsvorbereitenden Maßnahmen. In der Folge hat das Team kontinuierlich Anpassungen in der Struktur, im Ablauf und den Aufgabenbeschreibungen vorgenommen.

Die überwiegend positiven Rückmeldungen zeigen, dass sich die Lerneinheit generell zum Einsatz in Einstiegsqualifizierungsprogrammen eignet. Die Lehrunterlagen haben die Lernenden als klar und vollständig bewertet.

Eine Herausforderung für die weitere Arbeit mit der Lerneinheit ist, dass die bei den Jugendlichen populären Dienste sich kontinuierlich verändern. Um deren Lebensweltbezug aufrecht zu erhalten, muss das Projektteam diese daher regelmäßig bezüglich ihrer Relevanz für das jugendliche Medienhandeln hin überprüfen. Auch sind die Materialien an die aktuellen Entwicklungen anzupassen.