Mediennutzung in der Ausbildung lernen

Ein junger Mann sitzt in einem Großraumbüro am Schreibtisch mit einem Rechner vor sich

Eine neue BIBB-Analyse zeigt, dass die Anforderungen an Medienkompetenz in verschiedenen Berufen sehr unterschiedlich sind. Die BIBB-Checkliste hilft bei der Frage, welche Aspekte in eine Ausbildungsordnung aufgenommen werden sollten.

Über welche Medienkompetenz verfügen Schulabsolventinnen und -absolventen? Welche Kompetenz benötigen sie, um nach Abschluss einer Ausbildung selbstständig und zielorientiert mit Medien arbeiten zu können?

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zeigt mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Medien anwenden und produzieren – Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung“, dass die Anforderungen in verschiedenen Berufen stark differieren.

Der Analyse zufolge sollte im Rahmen von Neuordnungsverfahren künftig geprüft werden, ob und welche Aspekte von Medienkompetenz in die jeweilige Ausbildungsordnung aufgenommen werden sollten. Eine Checkliste bietet hierzu eine Übersicht.

Das BIBB hat den Begriff der Medienkompetenz im beruflichen Zusammenhang neu definiert: Nicht nur die technische Seite, sondern auch Aspekte der Zusammenarbeit, der Kommunikation, des Lernens und der Rahmenbedingungen bei der Arbeit mit Medien werden einbezogen.

Die Analyse zeigt, dass die verantwortungsvolle Zusammenarbeit im Beruf eine steigende Bedeutung hat: So wird erwartet, dass Auszubildende Medien zur Kommunikation und Kooperation einsetzen, dabei aber auch auf einen respektvollen Umgang achten.

In vielen Bereichen des beruflichen Lebens sind die Beschäftigten mit technischen Neuerungen und kürzer werdenden Innovationszyklen konfrontiert. Hier gilt es für die Auszubildenden, die Kompetenz zu entwickeln, künftig im Beruf Innovationen zu erkennen, ihren Lernbedarf daraus abzuleiten sowie aktiv und selbstständig den Lernprozess zu gestalten. Außerdem wird erwartet, dass rechtliche, ethische und wirtschaftliche Grundlagen bei der Mediennutzung berücksichtigt werden.

Ob und welche Aspekte von Medienkompetenz berufsbezogen berücksichtigt werden sollten, lässt sich anhand einer in dieser Form erstmals vorliegenden Checkliste ermitteln. Die Studie zeigt, dass zum Beispiel Aspekte wie „Medien zielgerichtet nutzen“ für alle Berufe bedeutsam sind, hierbei insbesondere die Fähigkeit zum Umgang mit Standardsoftware und auch das Dokumentieren von Arbeitsergebnissen.

Differenzierungen gibt es bei der Gestaltung mit Medien sowie der Offenheit für Innovationen, die eher medienproduzierenden Berufen zugeordnet werden, während bei medienanwendenden Berufen der Umgang mit fachbezogener Software in einem wesentlich enger umgrenzten Feld eine Rolle spielt, etwa bei der Arbeit mit Warenwirtschaftssystemen oder an Steuerständen von Maschinen und Anlagen.

Die BIBB-Studie entwickelt darüber hinaus Empfehlungen für die Medienkompetenzbildung in Schulen und Betrieben: Von Schulen wird nicht erwartet, dass sie technisch immer auf dem neuesten Stand sind. Wichtiger ist, analoge und digitale Medien praxisorientiert und in inhaltlich sinnvollen Zusammenhängen einzusetzen, die verantwortungsvolle Nutzung von Internet und Social Media-Angeboten zu thematisieren und dabei auch Grenzen und Risiken der Mediennutzung aufzuzeigen.

Der Umgang mit Medien sollte, so die BIBB-Fachleute, in den Schulen nicht verpflichtend in einem eigenständigen Unterrichtsfach wie Medienkunde oder Informatik vermittelt werden, sondern aufgabenbezogen in die einzelnen Fächer eingebunden werden.

Um Unternehmen mehr Unterstützung und Orientierung auf dem Weg in das digitale Zeitalter und mehr Sicherheit bei der Ausbildung ihrer zukünftigen Fachkräfte im Umgang mit Medien zu geben, sollte die Entwicklung von Medienkompetenz durch die Bereitstellung von Lernmaterial sowie Kursangeboten für Auszubildende ebenso wie für Ausbilderinnen und Ausbilder gefördert werden.

Die Ergebnisse der BIBB-Untersuchung sind im Wissenschaftlichen Diskussionspapier (WDP) „Medien anwenden und produzieren – Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsbildung“, Heft-Nr. 181, zusammengefasst.

Bildnachweis: BIBB/ES