"Mitarbeitende müssen lernen, mit der Digitalisierung ihrer Arbeitsplätze und neuen Technologien umzugehen."

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Das Projekt FlexNet unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bei der Implementierung von eLearning im Bereich Handel. Die kooperierenden Unternehmen werden beim Aufbau einer eigenen Lernplattform begleitet oder haben die Möglichkeit das etablierte Portal www.myflexnet.de zu nutzen.

Das im März 2018 gestartete Projekt FlexNet (Flexibles digitales Lernen – Netzwerk Handel) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" gefördert. Ziel des Vorhabens ist es, digitales Lernen in kleinen und mittelständisches Unternehmen (KMU) voranzubringen. Im Gespräch mit qualifizierungdigital.de stellt Bettina Wilhelm, Projektleiterin und Geschäftsführerin der Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V (zbb), FlexNet vor.

qualifizierungdigital.de: Mit welcher Idee ist das Projekt FlexNet 2018 gestartet?

Wilhelm: Handel ist Wandel – ein Sprichwort das hier im Kern zutrifft. In der heutigen Zeit stehen Unternehmen vor vielfältigen Herausforderungen und die Digitalisierung verändert die Gesellschaft. Mitarbeitende müssen lernen, mit der Digitalisierung ihrer Arbeitsplätze und neuen Technologien umzugehen. Um diesen vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es einer Modernisierung der vorhandenen Aus- und Weiterbildungsstrukturen in Unternehmen und in Bildungseinrichtungen. Digitale Lösungen sind gefragt.

Wie sehen diese Lösungen im Fall von FlexNet aus?

Im Gegensatz zu den klassischen Weiterbildungen kann digitales Lernen individuell, orts- und zeitunabhängig am PC, Tablet oder mit dem Smartphone nutzbar gemacht werden. Während in den großen Handelsunternehmen sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen vorhanden sind und bereits viele Lösungsansätze zu digitalem Lernen in der Erstausbildung und der beruflichen Weiterbildung gefunden wurden, fehlt es KMU an diesen Ressourcen. Mit dem Förderaufruf des BMBF zur Förderung von "Transfernetzwerken Digitales Lernen in der beruflichen Bildung" (DigiNet) bestand die Chance, diese Lücke zwischen den großen Handelsunternehmen und den KMU zu verringern. Deshalb wurde ein bundesweit tätiges Netzwerk der beruflichen Bildung geschaffen. Dieses greift auf die vorhandenen Strukturen der Handelsverbände und ihrer Bildungseinrichtungen zurück und ermöglicht den KMU des Handels mit einem umfassenden Serviceangebot, ausgehend von der Bedarfsanalyse über Begleitung der Unternehmen, Erstellung von eLearning Trainings etc., digitales Lernen in ihr Unternehmen einzuführen.

Welche Projektbestandteile von FlexNet konnten bisher umgesetzt werden?

Bisher konnten alle geplanten Projektbestandteile in dem dafür vorgesehenen Zeitrahmen umgesetzt werden. Dazu gehören die Portalgestaltung, regionale Vernetzungsstellen und die Implementierung digitalen Lernens in Unternehmen.

Das im Projekt entwickelte Online-Portal www.myflexnet.de wird seit 2018 betrieben. Es vermittelt Chancen des digitalen Lernens und unterstützt vor allem kleine und mittelständisch geprägte Handelsunternehmen bei der Einführung und Realisierung von eLearning. Verschiedene Rubriken bedienen die unterschiedlichen Bedarfe an Information und Umsetzung: eLearning Angebote, Themen für die Praxis, Veranstaltungen, News und Servicestellen.

Um die Serviceleistungen anzubieten, wurden vier Servicestellen für digitales Lernen etabliert, beim BZH Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen gGmbH, beim Bildungszentrum Handel- und Dienstleistungen Thüringen gGmbH, bei der KOMPASS Kompetenzen passgenau vermitteln gGmbH und bei der Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V.. Weitere Partner sind das IFH Köln, welches als Forschungsinstitut die Bedarfsanalyse und Evaluation durchführt. Mit der Qualitus GmbH unterstützt ein Lernplattform-Expertenteam das Projekt. Alle Servicestellen arbeiten eng mit den regionalen Handelsverbänden und dem Handelsverband Deutschland zusammen. Hinzu kommen unsere Referenzunternehmen, die digitale Lerninhalte in ihre Unternehmen implementieren.

 

"Unternehmen finden auf dem Portal ein breites Spektrum an Inhalten sowohl für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Auszubildende, nebenberufliche Ausbilder und Ausbilderinnen als auch Quereinsteiger."

 

Welchen Mehrwert liefert das von FlexNet aufgebaute Netzwerk?

FlexNet liefert KMU einen großen Mehrwert bei der Einführung digitalen Lernens auf verschiedene Art und Weise. Die Servicestellen beraten und begleiten einerseits die Referenzunternehmen beim Aufbau eigener digitaler Lernstrukturen und -inhalte. Sie bieten aber auch die Möglichkeit, digitales Lernen im Unternehmen einzuführen ohne den Aufbau einer eigenen Lernplattform, indem sie die Angebote des myFlexNet-Portals für das Unternehmen nutzen.  

Unternehmen finden auf dem Portal ein breites Spektrum an Inhalten sowohl für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Auszubildende, nebenberufliche Ausbilder und Ausbilderinnen als auch Quereinsteiger. Die Themenpalette reicht von Kundenbindung,  Service und Verkauf über Personalthemen, Ausbildereignung  bis hin zum Thema E-Commerce.  Durch den stetigen Ausbau der Themenpalette wird ein umfassendes und auf die Zukunft gerichtetes Angebot mit dem FlexNet Netzwerk für die KMU des Handels zur Verfügung gestellt. Das FlexNet-Netzwerk setzt Trends!

Wird ihr Portal schon in der Praxis angewendet und wurde es schon an individuelle Bedürfnisse von Anwenderinnen und Anwender angepasst?

Das Portal www.myflexnet.de bzw. die dafür entwickelten digitalen Lerninhalte werden in der Praxis angewendet. Unser Best Practice-Beispiel BIO COMPANY zeigt die erfolgreiche Entwicklung digitaler Lernangebote in einem Unternehmen des Einzelhandels. Im Jahr 2018 wurde zunächst ein Grobkonzept mit einem Zeitplan erarbeitet. Weitere Schritte waren die Festlegung der ersten Zielgruppe, Interviews mit Auszubildenden und deren Auswertung mit der Personalleitung im Jahr 2019. Es folgten u.a. weitere konzeptionelle Festlegungen, die Akquise einer eLearning Agentur und die Produktion von eigenen Online-Trainings durch die BIO COMPANY in 2020.

Die eigene E-Learning Plattform der BIO COMPANY ist für zunächst alle Auszubildenden online zugänglich. 2021 wird das E-Learning Angebot ausgebaut und für alle Mitarbeitenden zugänglich gemacht.

 

"Noch mehr Anwenderinnen und Anwender, weitere KMU, sollen durch FlexNet die Möglichkeiten erhalten, vielfältige eLearning Angebote zur Aus- und Weiterbildung zu nutzen."

 

Welche Rückmeldungen haben Sie von diesen Anwenderinnen und Anwendern erhalten?

Die zbb hat ausschließlich positive Rückmeldungen von Anwenderinnen und Anwendern erhalten. Sowohl die Referenzunternehmen des Projekts, als auch weitere Nutzerinnen und Nutzer sind sehr zufrieden mit den Angeboten im Rahmen des FlexNet Projektes. Zu diesen gehören Bedarfsanalysen und die vielseitigen eLearning-Angebote, wie digitale Schulungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Serviceangebote in Form von Informationen, Online-Trainings und Nutzung der Lernplattform, Online Beratung sowie die Nutzung weiterer digitaler Kanäle konnten weiter ausgebaut werden. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass bereits im Frühjahr 2020, während des ersten "Lockdowns", das Grüne Netzwerk auf die zbb zugekommen ist. Das Grüne Netzwerk ist ein Zusammenschluss von 20 Gartencentern mit dem Ziel, gemeinsame Projekte und den Know-how-Transfer zu fördern. Es wurde eine Nutzungsvereinbarung für die myFlexNet-Lernplattform geschlossen, sodass die Beschäftigten in den Unternehmen des Grünen Netzwerkes sich digital weiterbilden können. Alle Online-Trainings wurden vorerst kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Resonanz ist positiv und wir werden weiter darauf aufbauen.

Das Projekt läuft noch bis Ende Februar 2022. Welche weiteren Ziele verfolgen Sie?

Die Erweiterung der eLearning Angebote und die Verstetigung unserer Angebote im FlexNet-Projekt sind weitere Ziele. Noch mehr Anwenderinnen und Anwender, weitere KMU, sollen durch FlexNet die Möglichkeiten erhalten, vielfältige eLearning Angebote zur Aus- und Weiterbildung zu nutzen. Dabei soll die bereits etablierte Plattform langfristig weiterverwendet und angepasst werden. Handel bleibt Wandel!

Bildnachweis: Privat