NetProBau – Im Bauwesen praxisnah qualifizieren

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Das Projekt entwickelt und erprobt ein Qualifizierungskonzept für das Bauwesen auf der Basis von Web 2.0-Technologien. Prozessorientierte Arbeitsaufgaben sollen die Lernenden anhand dieser Medien in die Lage versetzen, kollaborativ und berufsintegriert die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben.

Neue Baustoffe, Technologien sowie ein sich wandelndes Umweltbewusstsein haben zu Innovationsschüben für das Bauwesen geführt. Daraus resultiert ein Qualifizierungsbedarf, auf den Unternehmen zeitnah und passgenau reagieren müssen. Durch den zunehmenden Fachkräftemangel wird es für Betriebe immer schwerer, ihre Angestellten für langwierige Weiterbildungsmaßnahmen freizustellen. Vor diesem Hintergrund tritt „NetProBau“ mit einem neuen Qualifizierungskonzept an.

Lernen mit praxisnahen Arbeitsaufgaben

Im Zentrum des „NetProBau“-Konzeptes stehen praxisnahe und für die Berufe im Bauwesen typische Arbeitsaufträge. Die Lernenden sollen sich mit diesen aktiv auseinandersetzen und sie dann lösen. Dadurch sollen sie schrittweise die notwendigen Kompetenzen erwerben, um im Arbeitsalltag vergleichbare Probleme bewältigen zu können. Ziel ist es, den Auszubildenden zu vermitteln, wie sie Situationen analysieren und mit ihren Erfahrungen abgleichen können.

Schaubild: Die Grafik erklärt, wie Erfahrungen aus der Praxis in die Aufgaben einfließen und wie sich die Teilnehmenden anhand dieser Fachwissen aneignen und bei Problemen im Arbeitsalltag anwenden können
Abb. 1: Verknüpfung von Handlungsorientierung und Fachorientierung über die Aufgabe

Eine wichtige Voraussetzung ist es daher, die Arbeitsaufträge in Teilaufgaben zu zergliedern, um damit die Komplexität von Gesamtaufgaben systematisch zu reduzieren.

Einfamilienhaus in drei Schritten modernisieren

Foto: Einfamilienhaus
Abb. 2: Foto des Siedlerhauses

Als Basis für das Projekt dient ein Siedlerhaus aus den 1950er-Jahren, das die Lerngruppen energetisch sanieren und baulich verändern sollen. Hierzu ist der Umbauprozess in drei Teilaufgaben gegliedert:

  • die Außenwand inklusive der Klinkerfassade zu dämmen und die Wohnraumfenster zu vergrößern
  • das Dach dämmen
  • den Keller gegen eindringende Feuchtigkeit abdichten

Die verschiedenen Arbeitsaufträge sind wiederum noch einmal in unterschiedliche Schritte gegliedert, die sich an realen Abläufen im Berufsalltag orientieren.

Das „Prinzip“ Aufgabe

Um adäquate Aufgaben formulieren zu können, definiert das Projektteam im Vorfeld, was einen geeigneten Arbeitsauftrag ausmacht. Zu klären ist auch die Frage, inwieweit sich die Aufgaben an die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Lernenden anpassen lassen. Hierzu hat „NetProBau“ ein Spinnennetz aus Stellschrauben entwickelt, mit dem sich der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe regulieren lässt.

Schaubild: Die Grafik veranschaulicht das Spinnennetz mit den folgenden
Abb. 3: Stellschrauben im „Prinzip“ Aufgabe

Grundlage für die Definition des „Prinzips“ Aufgabe ist das didaktische Modell des Cognitive Apprenticeship (der kognitiven Meisterbildung).

Das Modell basiert auf 6 Methoden:

1. Modellbildung

Durch die Gestaltung der Aufgabe und ihre Unterteilung in Gesamtaufgabe, Teilaufgaben und Teilschritte entsteht ein modellhaftes Beispiel. Es dient zur Strukturierung einer komplexen Aufgabe und bildet den realen Ablauf ab.

2. Scaffolding, Coaching

Zu Beginn des Lernprozesses begleitet ein enges Gerüst aus Anleitungen, Denkanstößen und Hilfestellungen die Lernenden. Um den Grad der Selbstständigkeit der Lernenden schrittweise zu erhöhen, wird das Gerüst nach und nach abgebaut. Dies soll die Auszubildenden zum selbstorganisierten Lernen anleiten. Der Dozent nimmt sich im weiteren Verlauf immer mehr zurück. Er schafft Lernmöglichkeiten und hilft durch gezieltes Feedback.

Entscheidend in diesem Prozess ist, die Komplexität der Aufgaben zu reduzieren: Innerhalb des Fachgebietes vom Grundlegenden zum Abstrakten; fachübergreifend in Bezug darauf, wie die einzelnen Disziplinen untereinander verzahnt sind.

3. Lernmedien

Je nach Grad der Vertrautheit und Medienkompetenz, können die Ausbildenden Lernmedien in den Unterricht einführen. Gleichzeitig gilt es, die Medienkompetenz weiterzuentwickeln.

4. Exploration

Interaktive Animationen oder Kommunikationsmedien sind Mittel und Werkzeuge – also Lerntools – der virtuellen Welt und unterstützen bzw. ermöglichen exploratives Lernen. „NetProBau“ bietet mit einem virtuellen Haus und virtuellen Laboren die Möglichkeit der Exploration.

Das virtuelle Haus kann die Auswirkungen falscher Berechnungen und konstruktiver Fehlentscheidungen auf eindrucksvolle Weise zeigen. Virtuelle Labore fördern das Verständnis für die Anwendung physikalischen Wissens in der Baupraxis. Vorteil: Die Lernenden können praxisnah messtechnisch ausgebildet werden.

5. Artikulation und Reflexion

Voraussetzung dafür ist der gezielte Einsatz von Arbeitsformen, zum Beispiel Einzelarbeit, kooperatives- und arbeitsteiliges Arbeiten oder Kollaboration.

6. Kommunikation

Im Bauhandwerk spielen Skizzen und Baupläne eine zentrale Rolle in der Kommunikation. Dafür hat „NetProBau“ das Lerntool SkizzenCAD entwickelt (vergleiche Praxisbeispiel „Web 2.0“). Die Software ermöglicht die Kommunikation über konkrete Fragen zu baulichen Maßnahmen und Details und regt damit zur Reflexion des Lernprozesses sowie der Lernergebnisse an.

Lernorte im berufsintegrierenden Lernkonzept

Die letzte Stellschraube eines berufsintegrierten Lernkonzeptes ist es, den Lernort zu definieren. In Frage kommen

  • der Klassenraum
  • der PC zu Hause, letztlich das Internet
  • und der Betrieb

Ziel von „NetProBau“ ist es, die theoretische Auseinandersetzung mit der Aufgabe eng mit der praktischen Umsetzung des Gelernten zu koppeln. Praxiserfahrungen aus dem betrieblichen Alltag sollen unmittelbar in den Lernprozess einfließen und Anlass für Feedback und Reflexion bieten.