OEB 2016: Lern- und Arbeitsaufgaben multimedial gestalten

Von hinten ist ein junger Mann mit aufgesetzter VR-Brille zu sehen, der die Hand ausstreckt, im Hintergrund ist eine Landmaschine zu erkennen

Im Fokus der Pre-Conference der OEB standen die vielfältigen Möglichkeiten, die multimediale Lehr- und Lernangebote bieten. Drei vom BMBF geförderte Pilotprojekte zeigten das Potenzial des Einsatzes neuer Lerntechnologien in der Berufsbildung auf.

Praxisbeispiel 1: Glassroom – Revolution im Technischen Kundendienst durch Smart Services (Benjamin Wingert, Fraunhofer IAO, Stuttgart)

Das Projekt nutzt die Möglichkeiten virtueller und erweiterter Realitätsbrillen zur lebensnahen Simulation der Funktionen verschiedener Geräte. Dafür werden Beispielszenarien mit Lernangeboten für Servicetechniker aus dem Maschinen- und Anlagenbau entwickelt.

GLASSROOM setzt Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Brillen aus dem Privatkundensektor ein. Virtual Reality (VR) erlaubt die relativ lebensnahe Simulation aller Funktionen beliebiger Geräte. Dies ist besonders für technische Kundendienstleistungen nützlich, da auch Fehlbedienungen zu Lernzwecken ohne Kostenrisiko reproduziert werden können.

Um den Übergang von der Simulation zum Umgang mit den realen Geräten abzusichern, folgt eine Lernphase mithilfe von Augmented Reality (AR). Dabei werden im Sichtfeld des Anwenders Informationen eingeblendet, die bei der korrekten Ausführung der erlernten oder zu erlernenden Fähigkeiten helfen.

Die Virtual- und Augmented-Reality-Elemente fördern das Verständnis für das jeweilige Gerät und ermöglichen damit ein späteres selbstständiges Handeln. Somit wird das lebenslange Lernen unterstützt.

GLASSROOM – Revolution im technischen Kundendienst durch Smart Services
Präsentation GLASSROOM [PDF – 1,69 MB]

Praxisbeispiel 2: Mobiles Lernen vernetzt Lernorte: Digitale Unterstützung für Azubis im Handwerk (Dr. Frederick Schulz, Handwerkskammer des Saarlandes)

Das Projekt „Kompetenzorientiertes Lernen im Arbeitsprozess mit digitalen Medien (KOLA)“ stellte eine mobile Anwendung zur Unterstützung der Ausbildung im Handwerk mit Smartphones vor. Die Lernorte der Ausbildung – Betrieb, Berufsschule und überbetriebliches Bildungszentrum – werden über eine mobile Plattform vernetzt: Sie geben den Auszubildenden ihre Arbeitsaufträge auf das Handy.

Die Auszubildenden haben im Klassenzimmer, aber auch auf der Baustelle alle relevanten Informationen dabei und erstellen aus den erledigten Aufgaben multimediale Dokumentationen, die Reflexion und Kooperation über Lernortgrenzen hinweg möglich machen und anregen. Gleichzeitig entsteht ein Schatz an Erfahrungswissen, das die Auszubildenden bei Herausforderungen im Arbeitsprozess, zur Vorbereitung auf Prüfungen oder zur Ergänzung des Berichtshefts unterstützt.

Mit der Etablierung des Smartphones als Handwerkszeug in der Ausbildung soll die Entwicklung der Handlungskompetenz der Azubis unterstützt und beschleunigt werden und die Ausbildung sich auch in den Theoriephasen stärker an den im Arbeitsprozess notwendigen Kompetenzen orientieren.

Mobiles Lernen vernetzt Lernorte – Digitale Unterstützung für Azubis im Handwerk
Präsentation KOLA [PDF – 1,69 MB]

Praxisbeispiel 3: DaviD – Das virtuelle Digitalgebäude (Dr. Holger Schopbach, Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes GmbH; Bernd Mahrin, TU Berlin)

Ein dreidimensionales digitales Modell eines Zweifamilienhauses in Holzbauweise stellt die für ein Bauwerk wesentlichen Elemente, Inhalte und Arbeitsprozesse dar.

Das Verständnis für konstruktions- und ausführungsbedingte Zusammenhänge und häufig auftretende Probleme an baulichen und versorgungstechnischen Schnittstellen wird gefördert. Bei einem virtuellen Rundgang lassen sich Wände und unzugängliche bauliche Situationen per Mausklick öffnen. Es zeigen sich dahinter liegende Installationen und es werden Informationen und Dokumente wie Zeichnungen, Richtlinien, Installationsanleitungen usw. dazu in wählbarer fachlicher Tiefe angeboten.

Eine Handreichung für Lehrende und Lernende (gedruckt und digital) schlägt Lernszenarien vor und gibt Nutzungshinweise. Testaufgaben zur Sicherung und Prüfung der Lernergebnisse runden das System didaktisch ab. Das virtuelle Digitalgebäude eignet sich zur Vorbereitung und Begleitung von Lehrgängen an verschiedenen Lernorten nach dem Blended-Learning-Prinzip sowie zur Nachbereitung und Prüfungsvorbereitung.

DaviD – Das virtuelle Digitalgebäude
Präsentation DaviD [PDF – 3,12 MB]

Motivation für erfolgreichen Einsatz ausschlaggebend

In der intensiven Diskussion mit allen drei Projekten wurde noch mal deutlich, dass die Einbettung digitaler Lernszenarien in Lehr- und Lernprozesse zugleich eine Chance, aber auch eine Herausforderung für Lehrende und Lernende darstellt. Diskutiert wurde darüber, dass die Einführung digitaler Medien mit einem zeit-  und kostenintensiven Mehraufwand verbunden ist. Hierzu brachten die Teilnehmenden auch ihre eigenen Praxiserfahrungen mit in die Diskussion ein. Gerade für KMU stellen häufig die Investitionskosten im ersten Schritt ein Hindernis dar.

Thematisiert wurde die Frage, wie gerade kleinere und mittelgroße Betriebe überzeugt werden können, dass der Einsatz digitaler Medien trotz des anfänglichen Mehraufwandes mit nachhaltigen Vorteilen verbunden sein kann. Neben den Investitionskosten und dem zeitlichen Aufwand wurde auch der hohe Stellenwert einer adäquaten tutoriellen Lernbegleitung angesprochen.

Noch scheuen viele Ausbilderinnen und Ausbilder den Einsatz digitaler Medien. Dies zeigt auch die kürzlich vom BIBB veröffentlichte Studie „Digitale Medien in Betrieben – heute und morgen“: So ist beispielsweise das klassische Lehrbuch im Papierformat immer noch das am meisten genutzte Medium in der Aus- und Weiterbildung und wird deutlich häufiger verwendet als digitale Lernangebote. Für die Akzeptanz der Nutzer ist es sehr wichtig, dass multimediale Lern- und Arbeitsaufgaben auch konkret zur Prüfungsvorbereitung eingesetzt werden können.

Das Thema „Motivation“ spielt eine wichtige Rolle, um multimediale Lernaufgaben erfolgreich in den konkreten Ausbildungs- und Arbeitsalltag einzubinden. Der Einsatz digitaler Geräte wie Tablets oder Smartphones in der Ausbildung an sich reicht nicht aus. Wichtig ist eine Individualisierung der Lernangebote – mit Aufgaben, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben. Die aktive Einbindung der Lernenden bei der Gestaltung von Arbeitsaufgaben und ein intensiver Austausch mit den Lehrenden, der durch digitale Medien erheblich erleichtert werden kann, tragen wesentlich zur Motivation bei.