OEB 2017: Personalisierte Lernwege schaffen und selbstgesteuertes Lernen fördern

Mann probiert virtuelles Schweißgerät aus

Im Fokus der OEB Pre-Conference stand in diesem Jahr erneut der Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Bildung. Ein Workshop stellte die BMBF-geförderten Projekte MEWA, MESA und GLARS vor.

Im Vorfeld der diesjährigen Online Educa Berlin-Konferenz (OEB) fand am 6. Dezember 2017 der Pre-Conference-Workshop "Individualisierung der Lernprozesse - Welche Möglichkeiten bieten digitale Medien? Praxisbeispiele aus der beruflichen Bildung" in Berlin statt. Darin wurden drei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Pilotprojekte vorgestellt, die erste Ergebnisse und Erfahrungen zum Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung präsentieren können. So wurden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie personalisierte Lernwege geschaffen und selbstgesteuertes Lernen gefördert werden kann. Abschließend wurde über Chancen und Grenzen multimedialer Lehr- bzw. Lernangebote für heterogene Zielgruppen und die Anforderungen an Lehrende als Lernprozessbegleiter diskutiert.

MEWA: Mit digitalen Medien Geringqualifizierte im Betrieb qualifizieren

Für die Zielgruppe der Geringqualifizierten ist entscheidend, dass digitale Lernaufgaben handlungsorientiert, aktivierend und motivierend sind sowie praktisches Tun beinhalten. Vielfältige digitale Lernwerkzeuge ermöglichen Spaß und Kreativität beim Lernen. Das individuelle Lernen wird mit Lerntools gefördert, bei denen Lernende eigene Bilder, Texte und Sounds aus ihrer Arbeits- und Lebenswelt einbringen können (Videos, Comics, Hörspiel).

Für das Ausbildungspersonal ist der Umgang mit digitalen Medien und die eigene Rolle als Lernbegleitung wichtig. Neue Lerntechnologien bieten neue Kommunikationskanäle, Dokumentations- und Feedbackmöglichkeiten zwischen Lernenden und Ausbildenden. So setzt sich das Berufsbildungspersonal in einem virtuellen Klassenzimmer mit der Moodle-Lernplattform, mit Lernwerkzeugen und der Erstellung von Lernaufgaben auseinander, um die eigene medienpädagogische Kompetenz zu erweitern. Die eigene Rolle als Lernprozessbegleitung wird reflektiert. Auch der Einsatz von Kompetenzentwicklungsbögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung der Teilnehmenden wird thematisiert, um Lernvereinbarungen zu vereinbaren.

Link zur Präsentation:

http://www.f-bb.de/projekte/internationalisierung-der-berufsbildung/internationalisierung-der-berufsbildung/proinfo/mit-digitalen-medien-auf-dem-weg-zum-aufstieg-durch-abschluss-mewa.html

MESA: Trainingssimulatoren für Schweißer – Neue Chancen in der Ausbildung

Mit digitalen Medien kann einigen Herausforderungen der Schweißausbildung begegnet werden. Der Einsatz eines auf dem Prinzip von Augmented Reality basierenden Schweißsimulators ermöglicht eine stärkere Fokussierung auf den Schweißprozess. Unterstützt durch die Visualisierung der manuellen Tätigkeit am Simulator können Auszubildende ihre eigene Körperhaltung beim virtuellen Schweißen beobachten und korrigieren, so dass ein stärkeres Bewusstsein für Ergonomie geschaffen wird. Das individuelle und unmittelbare Feedback während der Übungsausführung führt zu besserem Prozessverständnis. Außerdem erzeugt das Training von Extremsituationen in einer geschützten Umgebung Erfahrungswerte und kann langfristig Stress reduzieren. Das Umschalten der Spracheinstellungen hilft Auszubildenden und Ausbildenden Sprachbarrieren zu überwinden. Der Simulator kann von allen Lernenden gleichermaßen genutzt werden, denn die Programme lassen sich an die Bedürfnisse jedes Einzelnen anpassen. Durch den Einsatz der Schweißsimulatoren werden Ressourcen eingespart. Die Schweißsimulatoren erlauben ein engeres Betreuungsverhältnis und können ein individuelles Training und eine stärkere Reflexion der Lernsituation fördern.

Link zur Präsentation:

https://de.slideshare.net/secret/nn0ZNCbMaJRGpT

GLARS: Goal based Learning in an Alternate Reality Setting

Eine zentrale Forderung an moderne Lernszenarien ist die motivierende und aktivierende Aufbereitung von Lernmaterialien, die gleichzeitig die Stärkung megakognitiver Kompetenzen wie Reflektions- und Selbstregulationsfähigkeit fördern. Im GLARS-Projekt werden mehrere Lernszenarien für Schülerinnen und Schülern des Ausbildungszweiges zum Biologisch-technischen Assistenten (BTA) entwickelt, bei denen die Inhalte zu verschiedenen Themen in didaktisch und methodisch unterschiedlich gestalteten Goal-based Szenarien vermittelt werden. Dazu wurden in einem ersten Szenario, im Rahmen eines spielerischen Ansatzes, attraktive Methoden und Werkzeuge entwickelt und erprobt. Beispiele sind: Integrierte Videolerneinheiten, interaktive Übungen und Quiz, Nutzung von Online Kollaborationstools, reale Expertenbefragungen, Erstellung eines Kompetenzprofils sowie die Ergebnispräsentation als Video und Conceptmap. Die Ergebnisse des ersten Szenarios geben erste Hinweise darauf, welche der Lernmaterialien, in welchem Mix, welche Selbststeuerungsaktivitäten für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernpräferenzen aktivieren.

Die Mischung aus Selbstlerneinheiten und eigenständiger Leistungskontrolle wurde als motivierend wahrgenommen und unterstützt vor allem schwächere Lernende dabei, den Lernstand selbstständig zu kontrollieren und ihre Lernprozesse selbst und in Interaktion mit anderen zu steuern. Selbstgesteuertes Lernen wird hierbei sowohl als individuelles Geschehen wie auch als Element der sozialen Interaktion verstanden. Letztlich ist das Ziel, die Lernenden darin zu befähigen, ihre Ausbildungs- und Berufsbiografien selbst zu organisieren, zu steuern und zu reflektieren. Dabei werden individuelle Lernstrategien- und Präferenzen explizit berücksichtigt.

Link zur Präsentation:

https://glars.eu/fileadmin/files/pdf/GLARS%20-%20Vortrag%20OEB%20171206%20Brenstein-Ludwigs.pdf

​Link zum Film GLARS:

http://www.rfh-koeln.de/forschung-projekte/glars/index_ger.html

In der anschließenden Diskussion mit den drei Projekten wurde im Rahmen des Pre-Conference-Workshops hervorgehoben, dass eine Individualisierung von Lernprozessen mit Unterstützung digitaler Medien immer wichtiger werde, doch die Integration digitaler Lernangebote könne nur eine von verschiedenen Möglichkeiten innerhalb eines methodisch-didaktischen Gesamtkonzepts darstellen. Eine höhere Flexibilität bei der Gestaltung des Lernens und die Chance unterschiedliche Wege für die Erledigung von Lernaufgaben zu gehen, entspräche der Tatsache, dass jeder Lerner seine eigene Art zu lernen habe. Die eigenständige Gestaltung des Lernprozesses durch Auswahl von multimedialen Lernangeboten stärke in hohem Maße die Motivation der Lernenden und fördere die Selbstlernkompetenz.

Ein wichtiges Thema der Diskussion war auch die Frage, wie sich die Rolle der Lehrkräfte bei der Lernbegleitung verändert, wenn der Lerner zunehmend den Lernprozess selbst steuert. Die medienpädagogische Qualifizierung des Bildungspersonals sei besonders wichtig, damit die Lernenden im effektiven Mediengebrauch unterstützt werden können. Vorbehalte bei Ausbildenden und Führungskräften könnten nur dann abgebaut werden, wenn sie in die Entwicklung frühzeitig mit einbezogen würden. Tatsache sei, dass die Entwicklung und Einführung digitaler Tools zunächst mit Mehraufwand verbunden sind, aber langfristig durch die flexible Anpassung an die individuellen Lernbedürfnisse des Lerners einen Gewinn darstellen.

Bildnachweis: ICWE © Dominik Tryba