OEB 2018: Aktives Lernen gestalten und fördern - Welches Potenzial bieten digitale Medien?

Gruppe Physiotherapeuthen

Im Rahmen eines Pre-Conference-Workshops der Online Educa Berlin (OEB) 2018 haben drei Pilotprojekte aus dem BMBF-Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" gezeigt, wie medienunterstütztes Lernen in der Ausbildung gestaltet und Lernaktivierung gefördert werden kann.

MediWeCo Physio – Eine digitale Umgebung zum Lehren, Lernen und Trainieren von sensomotorischen Fertigkeiten in der Physiotherapie

Vertreter des Projektes MediWeCo Physio aus Aachen haben bei der OEB 2018 mittels einer interaktiven Präsentation ihr Konzept vorgestellt. Anhand einer Live-Demonstration konnten die Teilnehmenden des Workshops die Komplexität und Schwierigkeit der Vermittlung einer PNF-Behandlung (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) miterleben. Darüber hinaus wurde die Anwendung von Sensorarmbändern bei der Überprüfung der Bewegungsdurchführung vorgestellt. Die App sowie die Sensorarmbänder konnten von den Teilnehmenden des Workshops während der Kaffeepause getestet werden.

Im Projekt MediWeCo Physio wird eine Tablet-Lern-App für die Physiotherapieausbildung entwickelt. Die Lern-App ist in drei didaktische Lernschritte eingeteilt: Lernen, Anwenden, Prüfen. Anhand des PNF-Unterrichts werden das MediWeCo-Konzept und die App erprobt. Im PNF-Unterricht werden komplexe Bewegungen und Griffe gelehrt, die durch herkömmliche Arten des Unterrichts zum Teil schwierig zu erlernen sind.

Workshop-Präsentation von MediWeCo Physio

 

Die Story macht´s – Mit Geschichten zur ökonomischen Bildung im Handel

Das Projekt Ökonomische Bildung im Handel bringt Storytelling als innovatives didaktisches Konzept in die Aus- und Weiterbildung im Handel. Die Grundidee der Medienreihe besteht in der transmedialen Verknüpfung von Storytelling, Wissensvermittlung und Kompetenzförderung. Das Ergebnis ist ein in den Unterricht integrierbares Blended-Learning-Konzept.

Geschichten ermöglichen einen emotionalen Zugang zu den Lerninhalten. Die Lernenden können sich mit den handelnden Personen identifizieren. Dadurch werden Interesse, Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft geweckt. Eine umfassende Erprobung hat dies bestätigt.

Die digitale Medienreihe "Ökonomische Bildung im Handel" besteht aus insgesamt 17 Lerneinheiten. In jeder Lerneinheit wird eine Geschichte in mehreren kurzen Video-Episoden erzählt. Sophia, Ben und Johannes leben in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Neukölln. Die Lernenden planen mit ihnen Partys, erleben Konflikte, Liebe und Geheimnisse. Und alles hat irgendwie mit Ökonomie zu tun.

Workshop-Präsentation von "Ökonomische Bildung im Handel"

 

Lernen durch Reflexion des eigenen Handelns – Auszubildende dokumentieren ihre Arbeit mit Videos

Die in der Ausbildung in den Bauberufen üblichen didaktischen Konzepte und Methoden müssen im Zuge der zunehmenden Digitalisierung ergänzt werden, um die Ausbildung effektiver und für junge Menschen attraktiver zu machen. Im Projekt MELINDA wird ein "virtuelles Klassenzimmer" als geschlossene Plattform eingerichtet, auf die Ausbildende und Auszubildende mit Smartphones, Tablets oder Computern zugreifen können.

Die Jugendlichen können u.a. kurze Filme während der überbetrieblichen Ausbildung im Berufsbildungszentrum drehen, um ihre Lösungsschritte für praktische Aufgaben zu dokumentieren. Die Filme werden von Ausbildern bzw. Ausbilderinnen gesichtet und freigegeben und anschließend auf die Plattform hochgeladen, zu der die Azubis Zugriff haben. Ergänzt um Informationen und Arbeitsaufgaben entsteht so ein Lernarchiv für den jeweiligen Ausbildungsjahrgang. Mit der digitalen Lernplattform und den selbst erstellten Medien wird den Auszubildenden ein zusätzlicher Zugang zu den Inhalten ihrer Ausbildung eröffnet und ihre Eigenmotivation erhöht. Der orts- und zeitunabhängige Austausch innerhalb der Klasse und mit den Ausbilderinnen bzw. Ausbildern wird erheblich erleichtert. Der Bereich "BauKnowHow" stellt zusätzliche wichtige Informationen für den Ausbildungsberuf bereit.

Die auf der Plattform archivierten Lernvideos sind nachfolgenden Jahrgängen zugänglich. Die Plattform und die Anleitung werden nach der Evaluierung auch anderen Ausbildungszentren angeboten.

Workshop-Präsentation von MELINDA

 

Diskussion zwischen Projektbeteiligten und Workshop-Teilnehmenden

In der anschließenden Diskussion betonten alle Projektbeteiligte, dass der Einsatz digitaler Medien wesentlich zur Motivation der Lernenden beitragen könne. Neben der technischen Affinität, die die Jugendlichen mitbringen würden, seien es die vielfältigen Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation, die Lernende bei der Wissensaneignung schätzten. Anstatt Wissen zu konsumieren ginge es darum, den Lernprozess stärker selbst zu gestalten. Die Auseinandersetzung mit dem Lernstoff sei wesentlich intensiver, wenn personalisierte Lernwege eröffnet würden. In Eigenverantwortung einen Film zu erstellen, Arbeitsprozesse und -aufträge zu beschreiben und zu dokumentieren fördere sowohl die Motivation als auch die Reflexion des Gelernten und stärke in hohem Maße die Selbstlern- und die Problemlösungskompetenz. Die grafische und interaktive Visualisierung von komplexen Abläufen oder Zusammenhängen und neue unmittelbare Feedbackmöglichkeiten wie die der Sensorarmbänder, ermöglichten eine kontinuierliche Überprüfung des eigenen Lernfortschritts, was die Eigenmotivation erhöhe. Bei der Konzeption digitaler Lernszenarien sei es wichtig, konkrete Anknüpfungspunkte zur beruflichen Alltagswirklichkeit zu haben.

Ein weiteres Diskussionsthema war auch die Förderung der Medienkompetenz der Auszubildenden und der Lehrkräfte, da hier noch große Defizite gesehen werden (insbesondere beim Thema Datenschutz). Für die Akzeptanz innovativer digitaler Lernanwendungen durch das Bildungspersonal sei eine einfache Handhabung und die Möglichkeiten zur Anpassung bzw. Erweiterung von Lerninhalten extrem wichtig, etwas was alle bei der Konzeption berücksichtigt haben. Die Qualifizierung der Lehrkräfte müsse noch stärker gefördert werden, damit in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt auch diese multimediale Lehr/Lernangebote effektiv einsetzen und nutzen können.

Bildnachweis: Alexandra Roth