OEB 2019: Vernetztes und mobiles Lernen

Florian Gasch im Workshop OEB 2019 in Berlin

Im Rahmen eines Pre-Conference-Workshops der Online Educa Berlin (OEB) 2019 haben drei Pilotprojekte aus dem BMBF-Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" Chancen der Digitalisierung für die Aus- und Weiterbildung aufgezeigt und ihre Erfahrungen aus der Projektarbeit geteilt.

In dem knapp dreistündigen Workshop hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, drei Projekte aus dem BMBF-Förderprogramm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" kennenzulernen und zu erfahren, wie digitale Lernsettings aus unterschiedlichen Kontexten der Aus- und Weiterbildung gestaltet werden können. Die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um digitale Lernszenarien in den Arbeitsprozess zu integrieren, stand ebenso im Mittelpunkt wie die Frage nach den geeigneten Strategien, digitale Lernräume erfolgreich zu nutzen und die Medienkompetenz der Lernenden zu fördern.

Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, den im Projekt MeQ:ino entwickelten Escape Room selbst auszuprobieren und Aufgaben zum Umgang mit digitalen Medien im Berufsalltag zu lösen. Welche Rahmenbedingungen Organisationen schaffen müssen, um digitales Lernen erfolgreich umzusetzen, war anschließend zentrales Diskussionsthema. Das Bildungspersonal brauche Freiräume, um die medienpädagogische Kompetenz zu verbessern. Wichtig sei es physische und virtuelle Lernräume zu verschränken. Präsenzunterricht sei weiterhin ebenso wichtig, wie die Nutzung anderer Formate, wie z.B. Blended Learning

Praxisbeispiel 1: Mobile Learning für das Arbeiten in intelligenten Gebäuden - Chancen und Herausforderungen (Jürgen Jarosch, Felix Menke, ETZ Stuttgart)

Das vernetzte und mobile Lernen ermöglicht es, orts- und zeitunabhängig zu lernen. Als Person kann man so schnell eine Lösung zu einem Problem finden, auch wenn man keinen Ansprechpartner in der Nähe hat. Deswegen hat das etz Stuttgart eine App für Smartphones und Tablets entwickelt, mit der es möglich ist, mobil, orts- und zeitunabhängig zu lernen. In der App werden die Lernangebote über einzelne, mobile Lerneinheiten, in verschiedenen Kategorien aufgelistet. Diese können einzeln zu den bisherigen Lerneinheiten dazugekauft werden, je nach Interessensgebiet.

Die Lerneinheiten bestehen entweder aus sogenannten Web Based Trainings oder aus interaktiven bzw. aufgezeichneten Webinaren. Die Web Based Trainings enthalten neben einer Folienpräsentation und Sprechertext eine abschließende Lernzielkontrolle. Die App, sowie die einzelnen mobilen Lerneinheiten sind auch offline nutzbar.

Praxisbeispiel 2: Medienqualifizierung - individuell und organisational (Denise Gramß, Hochschule für angewandtes Management, Berlin)

MeQ:ino bietet ein Konzept zur Einführung digitaler Arbeits- und Lernprozesse in KMU unter aktiver Einbeziehung der Mitarbeitenden in die Entwicklung und Implementierung. Im Mittelpunkt stehen das Begeistern und Befähigen für die Nutzung digitaler Medien im Unternehmenskontext auf individueller und organisationaler Ebene.

Die Erfassung von IST und SOLL der Lern- und Medienkompetenzen der Mitarbeitenden und des digitalen Reifegrads des Unternehmens bilden die Basis. Für die Umsetzung von Lerninhalten wird eine Toolbox mit zwei Modulen entwickelt. Das Modul Medienkompetenz bietet Inhalte für den ersten Kontakt in Form eines Spiels (Escape-Room) und Lern-Nuggets, um Mitarbeitende an digitale Medien heranzuführen und dafür zu begeistern. Im Modul digitales Lernen sind Freeware-Tools, Checklisten und Leitfäden enthalten, die die selbstverantwortliche Einführung digitaler LernModule ermöglichen. Mit spezifischen Zielgruppen (zum Beispiel Produktion, Verkauf, Außendienst) werden erste Lernmodule entwickelt und implementiert. Zusätzlich wird die Toolbox evaluiert und optimiert.

Praxisbeispiel 3: Digitale Medien in der Pflegeausbildung. Chancen und Herausforderungen aus organisationaler Perspektive (Florian Gasch, GAB München)

Der Einsatz digitaler Medien in der betrieblichen Pflegeaus- und weiterbildung verspricht große Potentiale im Umgang mit den hier vorherrschenden Herausforderungen. Jedoch ist es nicht allein mit der Anschaffung entsprechender Technik oder dem Einsatz von zugekauften digitalen Lernmitteln getan – die für sich genommen bereits voraussetzungsreich sind. Der Ausbildungsprozess bedarf nach wie vor einer sozialen, didaktischen und organisatorischen Rahmung. Hierbei spielt das betriebliche Bildungspersonal vor Ort eine zentrale Rolle, die mit der Integration digitaler Lernmedien weiter zunehmen wird.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, benötigen die betrieblichen PraxisanleiterInnen neben den bisher erforderlichen fachlichen und fachdidaktischen Kompetenzen auch Medien- und mediendidaktische Kompetenzen. Darüber hinaus liegt die zentrale Herausforderung einer Integration digitaler Medien in den Lernprozess in einem gelingenden Organisationsentwicklungsprozess. Die Erfahrungen aus der Praxis haben gezeigt, dass auch hier die Rolle des betrieblichen Bildungspersonals zentral ist. Die PraxisanleiterInnen sind es, die als treibende Kraft den Prozess initiieren und im Arbeitsalltag aufrecht erhalten müssen, damit eine arbeitsintegrierte Steuerung der erforderlichen Organisationsentwicklungsmaßnahmen gelingen kann.

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