OER: Herausforderungen und Chancen

Logo des Projekts Mapping OER; Copyright: Wikimedia Deutschland e. V., Creative Commons Attribution International 4.0

Teilnehmende aus dem Bildungsbereich, der Politik und der Wirtschaft sprachen bei der Fachtagung des Projekts „Mapping OER“ über den Stand von Offenen Bildungsressourcen in Deutschland. Themen waren Qualitätssicherung, Qualifizierungs- und Geschäftsmodelle sowie Lizenzierung und Rechtssicherheit.

Die Herausforderungen und Lösungsansätze sind je nach Bereich – Schule, Hochschule, Berufliche Bildung und Weiterbildung – sehr unterschiedlich. In der Beruflichen Bildung spielen offene Bildungsressourcen aus verschiedenen Gründen derzeit noch keine große Rolle. In der betrieblichen Ausbildung überwiegen praktische Lehrmethoden, während in den Berufsschulen Lehrbücher eine dominante Rolle spielen. Der Einsatz von OER (Open Educational Resources) in der Berufsschule – wie auch in anderen Schultypen – hängt zudem stark vom persönlichen Engagement der Lehrenden und deren Medienkompetenz ab.

Bei Fragen der Qualifizierung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen wurden mehrere Herausforderungen genannt: Zum einen sei schon die Bezeichnung OER wenig attraktiv und bislang weitestgehend unbekannt. Darüber hinaus hätten viele Lehrerinnen und Lehrer Hemmungen, offene Bildungsmaterialien zu erstellen, da sie damit in die Öffentlichkeit gingen. Dies könnte auch negative Konsequenzen für den Einzelnen haben. Viele Lehrende würden sich auch die Frage stellen: Was habe ich persönlich davon, wenn ich OER erstelle oder nutze?

Einig waren sich die Tagungsteilnehmenden darin, dass OER nicht als eigenständiges Fortbildungsthema vermittelt, sondern in bestehende Angebote integriert werden sollte. Damit könnte man Lehrerinnen und Lehrer besser erreichen und ihnen vermitteln, was sie zum Thema offene Bildungsressourcen wissen sollten.

Auch die teilweise mangelnde Medienkompetenz von Lehrenden sei ein Hemmnis für die Verwendung von OER. Offene Bildungsressourcen im Unterricht einzusetzen verlangt Kenntnisse in den Bereichen Lizensierung und Urheberrecht. Hier herrscht noch große Unsicherheit, die sogar dazu führen kann, dass Materialien aus Angst vor Abmahnungen nicht genutzt werden.

Beim Thema Geschäftsmodelle gingen die Meinungen weit auseinander. Während die einen an Services rund um OER als tragfähigen Ansatz glauben, waren andere Teilnehmende in dieser Beziehung sehr skeptisch. Häufig betont wurde, wie wichtig es sei, OER-Inhalte im Netz zu finden. Hier gibt es also Potenzial für Services wie Verschlagwortung, Katalogisierung und Metadaten-Management. Im Zusammenhang mit Services rund um OER wurde aber auch die Frage aufgeworfen, ob dadurch nicht eine Zweiklassengesellschaft entstehe, in der nur jene gute OER nutzen, die es sich leisten können.

Ein anderes Geschäftsmodell könnte das Begleiten von Lernenden beim lebenslangen Lernen sein. Uneinig waren sich die Tagungsgäste auch in der Frage, ob es eine zentrale Plattform für offene Bildungsressourcen geben sollte oder ein dezentraler Ansatz die bessere Lösung sei.

Das Projekt „Mapping OER“ hat die Landschaft der freien Bildungsmaterialien in Deutschland kartographiert und OER-Experten aus dem Bildungsbereich, der Politik und der Wirtschaft miteinander vernetzt. Ende Februar wird zum Projektabschluss ein Praxisrahmen für OER in Deutschland veröffentlicht.

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