PATONGO: Contenterstellung mit Web 2.0-Technologien

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Das Projekt befasst sich mit Lern- und Verbesserungsprozessen in „communities of practice“. Es ermöglicht Angestellten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sich Handlungskompetenzen in der beruflichen Praxis anzueignen.  

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steht – ähnlich wie andere große, dezentrale Organisationen – vor der Herausforderung, den Austausch zwischen Praktikerinnen und Praktikern zu verbessern. In räumlich konzentrierten Organisationen geben Menschen gute Praktiken oft durch Beobachtung und informellen Austausch weiter. In großen verteilten Organisationen ist das hingegen oft nicht möglich.

Praktische Hindernisse, aber auch die Motivation, erschweren den Austausch guter Praktiken. Dazu gehören beispielsweise fehlende Kommunikationsmittel, eine räumliche Trennung oder auch Zeitmangel. Dabei verfügen große Organisationen häufig über einen reichen Schatz an Wissen über bewährte Arbeitsabläufe, gelungene Projekte oder Tipps zur Arbeitserleichterung.

Daraus ergibt sich als eine zentrale Aufgabe, den Austausch zur Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden zu verbessern: Sie sollen die Möglichkeit erhalten, voneinander zu lernen und Erfahrungen über innovative Handlungsmuster auszutauschen. Der Bedarf hierfür ist groß: In einer vom Institut für Wissensmedien in Tübingen 2009 durchgeführten Studie wünschte sich die Mehrheit der befragten Kirchenmitarbeitenden eine bessere überregionale Vernetzung. Ein Großteil der Engagierten tauscht sich bisher nur im vertrauten Umfeld aus. Die Seiten der EKD und der Landeskirchen nutzen sie lediglich zur Anregung. Ein direkter Erfahrungsaustausch ist jedoch oft nicht möglich, obwohl 87 Prozent der Befragten täglich online arbeiten.

Web 2.0 zur Kommunikation, Kollaboration und Interaktion

„PATONGO“ (Patterns and Tools for Non-Governmental Organizations) untersucht, wie Technologien und Partizipationsprozesse des Web 2.0 den Austausch über gute Praktiken fördern können. Das soll dazu beitragen, die gesamte vernetzte Organisation weiterzuentwickeln (www.patongo.de).

Projektpartner sind die FernUniversität in Hagen, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das Institut für Wissensmedien in Tübingen. Gemeinsam haben sie eine Plattform für den Wissensaustausch unter den Akteuren in der Kirche entwickelt. Diese Plattform soll den Austausch von Praxiswissen und Erfahrungen zwischen kirchlichen Praktikerinnen und Praktikern erleichtern und fördern.

Grafik: Die Darstellung zeigt die drei Interaktionsepisoden im Wissensprozess bei
Abb. 1: Interaktionsepisoden im Wissensprozess

Der Kern des erstrebten Wissensaustauschs ist ein evolutionärer Wissensprozess. Er unterstützt Praktikerinnen und Praktiker bei der schrittweisen Reflexion über – beziehungsweise bei der Abstraktion von – ihrer Praxis. Er regt dazu an, sich über Erfahrungen und Ideen auszutauschen und Geschichten über erfolgreiche Praxisbeispiele zu erzählen. Mitarbeitende abstrahieren daraufhin gemeinsam die gute Praxis zu einer allgemeinen, vom Kontext losgelösten Praxisbeschreibung. Diese taucht dann in einer Sammlung aus Erfahrungswissen auf.

Das Problem hierbei: Handlungswissen ist in der Regel implizit und daher schwer beschreibbar. Um die Beschreibung von guten Praktiken einerseits und das Verständnis der Beschreibungen andererseits zu fördern, bedient sich die Plattform sogenannter „Patterns“. Ein Pattern ist eine Lösung zu einem wiederkehrenden Problem in einem klar umrissenen Kontext. Patterns unterstützen dabei, Probleme und Lösungen zu verknüpfen und regen die Reflexion an. So können Praktikerinnen und Praktiker neue Lösungsmöglichkeiten zu ihren lokalen Herausforderungen erkennen.

„PATONGO“ regt die Nutzerinnen und Nutzer dazu an, ihre Erfahrungen mit deren Einsatz in Form von Geschichten zu teilen. Das soll die Beschreibung der Praxis nach und nach verbessern. Hiermit schließt sich der Kreis im Wissensprozess, da die Geschichten auch wieder als Grundlage für neue Patterns dienen können.

Ideen, Erfahrungen und Wissen in einer Community teilen

Screenshot: Das Bild zeigt einen Bildausschnitt aus dem Portal
Abb. 2: Screenshot eines Bereichs auf „geistreich.de“
Unter geistreich.de steht evangelischen Haupt- und Ehrenamtlichen seit Pfingsten 2010 die innovative Plattform zum Wissensaustausch sowie zur Vernetzung mit verschiedenen Bereichen zur Verfügung.

Im Bereich „ideenreich“ haben kirchliche Praktikerinnen und Praktiker die Möglichkeit, Fragen zu stellen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und einander zu beraten. Es ist eine Werkstatt für Kreativität, Gespräche und Innovationen.

In „erfahrungsreich“ sind Beispiele guter Praktiken kontextnah und praktisch beschrieben. Enthalten sind auch Berichte über die konkrete Umsetzung gelungener Projekte. Andere Praktikerinnen und Praktiker können aus der Beschreibung lernen und sich über sie austauschen.

In „wissensreich“ können kirchliche Praktikerinnen und Praktiker gemeinsam Patterns zu guten Praktiken erstellen, bearbeiten und weiterentwickeln. Das Wiki-basierte Herzstück der Plattform ist ein Lexikon kirchlichen Erfahrungswissens – zum Beispiel mit Erfahrungen zur Gestaltung der Osternacht – und lädt zur inhaltsbezogenen Zusammenarbeit an.