Studie: Berufsbildung nutzt digitale Potenziale nicht

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Das MINT-Nachwuchsbarometer 2017 bescheinigt deutschen Berufsschulen und Betrieben Nachholbedarf in Sachen digitaler Transformation. Die duale Ausbildung "verpasse Chancen", heißt es in dem bundesweiten Trendreport.

Die jährlich erscheinende Studie "MINT Nachwuchsbarometer" erfasst das Interesse sowie die Motivation von Schülern, Auszubildenden, Studierenden und Lehrkräften der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Sie wird von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Körber-Stiftung herausgegeben. Die Erstellung des Trendreports übernimmt das Stuttgarter Forschungsinstitut Dialogik. Der MINT-Nachwuchsreport soll als "Frühwarnsystem" dienen und Trends sowie kritische Entwicklungen erkennbar machen. Die diesjährige Ausgabe, die am 22. Juni veröffentlicht wurde, untersuchte Entwicklungen im Zeitraum von 2015 bis 2016. Der Schwerpunkt lag auf der Frage, inwieweit junge Menschen in Deutschland ausreichend auf die digitale Transformation vorbereitet werden und welche Maßnahmen ggf. zu ergreifen sind.

"Digitales Lernen als strategische Chance begreifen"

Neben allgemeinbildenden Schulen setzt sich das MINT Nachwuchsbarometer 2017 auch mit Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben auseinander. Hierbei kommt die Studie u.a. zu folgenden Ergebnissen:

  • Nahezu alle Berufsschullehrkräfte (94 Prozent) bringen sich digitale Kompetenzen selbst bei.
  • Erfahrene Berufsschullehrkräfte nutzen digitale Medien im Unterricht häufiger als ihre jüngeren Kollegen. Sie verfolgen dabei aber eher klassische Lehrkonzepte und stehen den Chancen des digitalen Lernens skeptischer gegenüber.
  • 85 Prozent der Auszubildenden sprechen sich für einen häufigeren Einsatz digitaler Lernmedien im Unterricht aus.
  • Gering qualifizierte Auszubildende sind digitalen Lernmedien gegenüber besonders aufgeschlossen. Das Potenzial, gerade diese Jugendlichen für die Inhalte der beruflichen Ausbildung zu begeistern, wird nicht ausgeschöpft.
  • 63 Prozent der Berufsschulleiter/-innen sowie 53 Prozent der Ausbilder/-innen sehen in digitalen Lernformen und der Nutzung entsprechender Geräte im Unterricht oder im Betrieb einen Mehraufwand, der üblicherweise nicht ins Tagesgeschäft passt.

Die Autoren des MINT Nachwuchsbarometers sprechen folgende Empfehlungen an Berufsschulen und Betriebe aus: "Im Unterricht stärker den technologischen Wandel der Arbeitswelt berücksichtigen und digitales Lernen als strategische Chance begreifen". Unternehmen sollten "gezielt digitale Aspekte von Ausbildungsberufen bewerben, um auch bildungsferne Zielgruppen zu erreichen".

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