WebZubi – Web 2.0-Portal für die gewerblich-technische Berufsausbildung bei der Bahn

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Das Projekt entwickelt eine Lernplattform mit aufeinander abgestimmten Web 2.0-Anwendungen für gewerblich-technische Auszubildende bei der Deutschen Bahn und weiteren Kooperationsfirmen. Ziel ist es, die Qualität der Berufsausbildung zu verbessern.

Mit der in WebZubi entwickelten Lernplattform können Auszubildende den Lernstoff aktiv aufbereiten und gestalten. Das Konzept geht von der Erwartung aus, dass dies die Motivation steigert und dafür sorgt, dass sich die Lernenden intensiver mit den Inhalten beschäftigen. Gemeinsam mit der Universität Kassel und der Universität München hat die DB Mobility Logistics AG die Lernplattform entwickelt und sie mit Web 2.0-Elementen ausgestattet. Sie enthält Foren, Wikis, Community Builder, Blogs und Videopodcasts und richtet sich an gewerblich-technische Auszubildende und Ausbildende der Deutschen Bahn AG sowie der Kooperationspartner.

Zum pädagogischen Konzept

Screenshot: Bildschirmausschnitt eines Wikis auf der
Abb. 1: Bildschirmausschnitt eines Wikis auf der „WebZubi“-Plattform

Bei der Entwicklung haben pädagogische Fragestellungen im Mittelpunkt gestanden: Die Web 2.0-Tools steigern die Aktivität, Motivation und Medienkompetenz der Auszubildenden und fördern das eigenverantwortliche Handeln. Die Tools müssen jedoch an die Bedingungen und Prozesse der betrieblichen Ausbildung angepasst sein. Daher hat das Projekt die Nutzer und Nutzerinnen der Lern-Community, die Auszubildenden sowie die Ausbildenden vorab zum Portal und zu den Werkzeugen befragt. Ziel war es, den pädagogischen Nutzen der Web 2.0-Werkzeuge zu untersuchen und die Tools optimal an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen.

Um „Webzubi“ kontinuierlich zu verbessern, hat das Team im Projektverlauf weitere Befragungen durchgeführt. In Informationsveranstaltungen wurden die Nutzer über die Möglichkeiten der Plattform aufgeklärt. Bis Oktober 2011 haben so ca. 1.000 Nutzende mehr als 430 Wiki-Artikel erstellt, was von einer hohen Akzeptanz zeugt.

Evaluation und wissenschaftliche Begleitung

Quelle: DB Mobility Logistics AG
Abbildung 2: Bildschirmansicht eines Forums und eines Chatfensters der „WebZubi“-Web 2.0-Plattform

Der Lehrstuhl für Automatisierung und Informationssysteme der Technischen Universität München hat „WebZubi“ mithilfe von Feldexperimenten, Fragebögen und Interviewleitfäden begleitet. Er hat die Benutzerfreundlichkeit gemessen, das Nutzerverhalten und seine Ursachen analysiert sowie Informationen über die Akzeptanz der Plattform und Informationsveranstaltungen erhoben.

Zudem haben die Azubis drei Nutzungsszenarien erarbeitet. Trainerinnen und Trainer haben sie dabei beobachtet und die Vorgehensweise dokumentiert. Schwierigkeiten haben die Azubis in einem „Critical Incident Fragebogen“ vermerkt. Die Nutzerzufriedenheit sowie die Benutzerfreundlichkeit hat das Team mit Fragebögen erhoben, die sich an der ISO-Norm DIN EN ISO 9241-11 orientieren.

Ein halbes Jahr später hat eine Nachbefragung zur allgemeinen Bewertung und dem realen Nutzerverhalten mit Interviews und Fragebögen stattgefunden. In einer dritten Erhebung hat der Lehrstuhl zudem die Akzeptanz der Informationsveranstaltungen evaluiert sowie ermittelt, für welche Schulungen sich die Azubis besonders interessieren. Die Resultate führten zu Anpassungen, die das Projektteam wiederum in einer zweiten Schleife auf ihre Wirkung geprüft hat.

Weiterhin hat der Lehrstuhl an dem Konzept der Informationsveranstaltungen mitgewirkt und unter anderem Wiki-Musterbeiträge für „WebZubi“ erstellt. Sie dienten als Grundlage für die Schulung. Da die Evaluierung mittels Fragebögen ein fest integrierter Bestandteil der Schulung war, konnte das Team die Daten fast aller Teilnehmenden erheben.

Foto + Screenshot: Das Foto zeigt eine Ausbildungswerkstatt sowie einen Seminarraum mit Azubis an Computern und Notebooks. Der Bildschirmausschnitt der „WebZubi“-Lernplattform zeigt wiederum das Benutzermenü
Abb. 3: Ausbildungswerkstatt und Seminarraum mit Azubis an Computern und Notebooks + Bildschirmausschnitt der „WebZubi“-Lernplattform

Technische Umsetzung

Für die Lernplattform hat das Projektteam das Open Source-Programm „Joomla“ gewählt. Mit ihm lassen sich weitergehende technische Anpassungen an die Bedürfnisse der Ausbildungscommunity vornehmen.

Ein weiteres Ziel war, durch Such-, Empfehlungs- und Strukturierungsverfahren in „WebZubi“ Informationen leichter auffindbar zu machen und das zufällige Entdecken spannender Inhalte zu ermöglichen. An dieser Stelle hat das Team des Fachgebiets Wissensverarbeitung der Universität Kassel angesetzt. Mit Methoden des maschinellen Lernens sowie des „Information Retrievals“ hat es eine – die verschiedenen Web 2.0-Elemente übergreifende und verbindende – Suchfunktion implementiert. Sie ermöglicht die Suche über Wiki-Seiten, Forendiskussionen, Benutzerprofile, etc. und bietet weitere Hilfe durch eine Tippfehlertoleranz.

Die Empfehlungsverfahren schlagen den Auszubildenden für sie interessante Seiten vor. Die eingebundenen Empfehlungen im Wiki motivieren die Lernenden, sich weitergehend mit Fachthemen zu beschäftigen. Sie verbinden zudem die Wiki-Seiten mit Diskussionen im Forum. Weiterhin hat das Projektteam auch kollaborative Verfahren integriert. Diese messen die Relevanz einer Empfehlung nicht nur an der inhaltlichen Ähnlichkeit mit der besuchten Seite, sondern auch an dem Interesse anderer Lernenden an dem Webangebot.

Einsatz von Ontologielernverfahren

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist eine bessere Strukturierung und Vernetzung der von den Auszubildenden erzeugten Inhalte. Dies geschieht durch Verfahren aus dem Bereich des Ontologielernens. Ontologien sind eine begriffliche Struktur zur Wissensmodellierung und ermöglichen die Darstellung von Beziehungen zwischen beliebigen Entitäten durch grafische Elemente.

„WebZubi“ hat die Ausbildungsrahmenpläne der relevanten Berufe als Ontologie modelliert und sie als Kategorien im Wiki abgebildet. Verfahren aus dem Bereich des maschinellen Lernens verknüpfen dann die Inhalte mit den Ausbildungsthemen. Begriffe aus den von den Auszubildenden erzeugten Wiki-Einträgen reichern die Struktur zusätzlich an.