EMPA: "Wir wollen Lust machen, digitale Medien selbst zu erstellen und didaktisch sinnvoll einzusetzen"

Portrait von Eva Ott

Mit dem Online-Kurs EMPA (kurz für "Experte/Expertin für Medienpädagogik in der Ausbildung") sollen Ausbildende im gewerblich-technischen Bereich befähigt werden, digitale Medien in der betrieblichen Berufsausbildung effizient und sachgerecht einzusetzen.

Das von der Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG entwickelte Qualifizierungskonzept wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" gefördert. Nach dem Ende des Förderzeitraums (März 2016 bis Juli 2017) wurde EMPA in einen staatlich zugelassenen Online-Kurs umgewandelt. Im Gespräch mit qualifizierungdigital.de stellt Lehrgangskoordinatorin Eva Ott das Projekt vor.

Logo von EMPA
Das BMBF-geförderte Projekt EMPA wurde zu einem staatlich anerkannten Online-Kurs umgewandelt. Grafik: EMPA

qualifizierungdigital.de: Frau Ott, mit welcher Zielsetzung ist das Projekt EMPA im März 2016 gestartet?

Ott: Die Digitalisierung macht vor keinem Betrieb halt und gerade junge Menschen in der Ausbildung sollten dort abgeholt werden, wo sie sich ohnehin aufhalten: in der digitalen Welt. Das Projekt EMPA starteten wir mit einer Zielsetzung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung durch die Förderrichtlinie "Förderung von Medienqualifizierung pädagogischer Fachkräfte" vorgegeben wurde. In der entsprechenden Bekanntmachung stand:

"(…) Über einen Ideenwettbewerb sollen ausgewählte Vorschläge für Maßnahmen mit geeigneten Qualifizierungs-Elementen zur Steigerung der Medienkompetenz der Zielgruppe exemplarisch umgesetzt werden (…)."

Dieser Herausforderung stellten wir uns und das Projekt EMPA wurde mit Leben gefüllt. Wir möchten Ausbildern und Ausbilderinnen die Scheu davor nehmen, digitale Medien auszuprobieren und in ihre eigenen Ausbildungsprozesse zu integrieren. Wir wollen Lust machen, digitale Medien selbst zu erstellen und didaktisch sinnvoll einzusetzen.

Welche Inhalte werden im Online-Kurs EMPA vermittelt?

Der Online-Kurs umfasst die Kapitelthemen "Medien nutzen", "Mit Medien kommunizieren", "Medien erstellen", "Regeln einhalten", "Mit Medien lernen" sowie ein Abschlussprojekt. In diesen Kapiteln werden den Teilnehmenden zunächst die Grundlagen von Hard- und Software erläutert, die kooperative und kollaborative Zusammenarbeit im Netz vorgestellt, die Erstellung von Medienanwendungen getestet, die wesentlichen Vorgaben des Medienrechts behandelt und zu guter Letzt wird erlernt, Medien didaktisch sinnvoll in Ausbildungsprozesse zu integrieren. Letztlich sollen die Teilnehmenden in die Lage versetzt werden, mit ihrem neu erworbenen Wissen ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, welches zwei Kapitel des Kurses inhaltlich abdeckt.

Jedes Kapitel wird durch zahlreiche Videos, weiterführende Links auf externe Internetseiten oder Tool-Vorstellungen aufgelockert. Die Verfügbarkeit eines Endgerätes mit Internetzugriff ist für den Online-Kurs Voraussetzung. Auch sollte eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein, sich auf verschiedene Tools oder auch Social-Media-Anwendungen einzulassen. Ansonsten heißt es in diesem Kurs: Durch Handeln lernen!

"Viele Aufgaben bauen darauf auf, dass in den Foren eine gemeinsame Reflektion erfolgt"

Welche Rolle spielt bei EMPA die Ermöglichungsdidaktik?

Von Anfang an waren wir uns einig darüber, dass wir die Teilnehmenden große Anteile ihres Lernwegs selbst bestimmen lassen wollen. Die Kapitel werden zu einem festgelegten Zeitpunkt freigeschaltet und die Teilnehmenden entscheiden selbst, welche Inhalte und Tools davon für sie gerade interessant sind – die Selbststeuerung obliegt also den Lernenden. Dennoch werden nicht alle Inhalte von Anfang an freigegeben, damit sich die Teilnehmenden zur selben Zeit mit denselben Themen auseinandersetzen. Viele Aufgaben bauen darauf auf, dass in den Foren eine gemeinsame Reflektion erfolgt. Für das Bearbeiten der Aufgaben werden zudem Auszeichnungen, sogenannte "Badges", vergeben. Diese dienen der Motivationssteigerung.

Wie ist es mit EMPA nach Ablauf des Förderzeitraums im Juli 2017 weitergegangen?

Zunächst stand für uns als Projektteam fest, dass wir eine Auswahl der aus dem Kurs heraus entstandenen Abschlussprojekte zusammentragen möchten. So entstand die E-Dokumentation "Best-Practice", die aufzeigen soll, wie der Einsatz digitaler Medien in der Ausbildung aussehen kann. Des Weiteren arbeiteten wir daran, das Förderprojekt EMPA in einen staatlich zugelassenen Online-Kurs umzuwandeln. Die Inhalte und Aufgaben wurden aktualisiert und der Kurs selbst auf fünf Monate komprimiert. Wie auch in der Pilotphase steht ein Lernbegleiter im virtuellen Klassenzimmer, den Foren und via E-Mail begleitend zur Seite.

Der Online-Kurs EMPA wird nun mit zwei Startterminen im Jahr durchgeführt. Der erste Durchlauf hat im Dezember 2017 begonnen.

Welchen Umfang hat der Online-Kurs EMPA und wie sieht eine Lernwoche für die Teilnehmenden konkret aus?

Die Lernenden werden zu jeder Woche mit einem kurzen Video begrüßt – diese nennen wir "Montagsvideos". Mit Hilfe von Papp-Requisiten, einer persönlichen Ansprache und ein wenig Humor, möchten wir den Teilnehmenden die Inhalte der neuen Woche vorstellen. Das Ziel ist es, dass auch während der Selbstlernphase die Lernenden die Sicherheit haben, dass sich hinter dem Online-Kurs nach wie vor reale Menschen befinden.

Die Inhalte wurden für einen Wochenaufwand von rund vier bis fünf Stunden aufbereitet. Die Entscheidung, wie genau sich die Teilnehmenden sich diese Zeit letztendlich aufteilen und in welchen Wochen sie mehr oder weniger lernen, liegt gänzlich bei ihnen selbst. In der Regel werden sich die Teilnehmenden zu selbst gewählten Zeiten die Inhalte durchlesen, die Videos bearbeiten und den Austausch in den Foren umsetzen. Einmal pro Kapitel gibt es ein Webinar, worin Themen aus dem aktuellen Kapitel vertieft werden. So kann beispielsweise gezeigt werden, wie in Echtzeit die Konfiguration eines Learning Management Systems stattfindet.

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