"Schweißsimulatoren erlauben ein einfaches und gefahrloses Ausprobieren von Schweißtätigkeiten"

Benjamin Knoke im Portrait

Das Schweißen als berufliche Tätigkeit ist Bestandteil vieler Produktionsprozesse. Trotzdem ist die Branche in besonderem Maße von Fachkräftemangel bedroht. Das Projekt "MESA" (kurz für "Medieneinsatz in der Schweißausbildung") könnte diesbezüglich helfen, eine Trendwende einzuleiten.

Das Verbundvorhaben, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderprogramms "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" unterstützt wird, ist im August 2015 mit dreijähriger Laufzeit gestartet. Im Gespräch mit qualifizierungdigital.de gibt Benjamin Knoke vom Bremer Institut für Produktion und Logistik (Projektkoordination) Auskunft über die Ziele, Inhalte und möglichen Effekte von MESA.

qualifizierungdigital.de: Herr Knoke, beschreiben Sie bitte, worum es im Projekt MESA geht.

Knoke: Das Projekt untersucht neue Konzepte und Technologien für die Aus- und Weiterbildung in der Schweißbranche. Die wesentlichen Forschungsschwerpunkte sind die Integration von Trainingssimulatoren und anderen digitalen Medien in die Qualifizierungsprozesse von Schweißern und Schweißerinnen sowie die Realisierung von Blended-Learning-Konzepten, bei denen Präsenzveranstaltungen mit virtuellem Lernen verbunden werden.

Welche Ziele verfolgt MESA?

Logo des Projekts MESA
Das Projekt MESA will per Simulator Handlungskompetenzen im Bereich des Schweißens vermitteln. Foto: MESA

Das übergeordnete Ziel von MESA ist es, eine Qualitätssteigerung der Qualifizierungsprozesse innerhalb der Schweißbranche durch die Integration digitaler Medien zu erreichen. Die verwendeten Medientechnologien dienen der Gestaltung von Trainingssimulationen und der Überwindung von Sprachbarrieren. Mit einer Trainingssimulation wird das Ziel verfolgt den Fokus vom Ergebnis auf den Prozess zu lenken, da manuelles Schweißen üblicherweise einen Sichtschutz erfordert bzw. isoliert stattfindet. So können eine prozessbegleitende Unterstützung angeboten und Prinzipien der Ergonomie leichter vermittelt werden, was zur Reduktion gesundheitlicher Langzeitschäden beitragen kann. Des Weiteren wird untersucht, wie mittels digitalen Medien die Verständigung sinnvoll unterstützt werden kann. Schließlich sind Sprachbarrieren in der Schweißbranche, besonders im ersten Ausbildungsjahr, ein reales Problem.

Wie stellen Sie sicher, dass die Lerninhalte möglichst anwendungsnah sind?

Der Projektverbund arbeitet eng mit dem DVS (Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V.) sowie einem erweiterten Kreis von metallverarbeitenden Unternehmen und Bildungsträgern zusammen. In diesem erweiterten Verbund werden Anforderungen an die technischen und didaktischen Konzepte gemeinsam definiert und die Projektergebnisse fortlaufend in den Qualifizierungs- und Arbeitsprozessen erprobt.

"Speziell Schweißsimulatoren üben eine große Faszination auf Jugendliche aus"

Auszubildende probieren Schweißsimulator aus
Durch MESA können angehende Schweißer und Schweißerinnen ihre Fertigkeiten gefahrenlos und ohne Sprachbarriere in einem Simulator trainieren. Foto: C+P Bildung GmbH

Inwiefern unterscheidet sich der Ansatz von MESA von traditionellen e-Learning-Ansätzen?

Kerninhalt von MESA ist die Entwicklung und Evaluation eines didaktischen Konzepts zur mediengestützten Aus- und Weiterbildung für Schweißverfahren. Auf Basis von Arbeitsprozessanalysen und Expertenworkshops werden dazu ein Blended-Learning-Konzept und ein Curriculum sowie konkrete Lehr-und Lernszenarien entwickelt. Dabei werden gezielt Schweißsimulatoren eingebunden, die durch die integrierte Sensorik und Simulation neue Möglichkeiten schaffen und beispielsweise in Klassenraumszenarien ein enormes Potential bei der Vermittlung von Wirkzusammenhängen bieten.

Schweißer gelten auf dem hiesigen Arbeitsmarkt als Mangelware. Welchen Beitrag kann MESA in dieser Hinsicht leisten?

Bei MESA wird durch den Einsatz Digitaler Medien ein breiterer Zugang zu dem technisch geprägten Berufsfeld des Schweißers geschaffen. Speziell Schweißsimulatoren üben eine große Faszination auf Jugendliche aus und erlauben ein einfaches und gefahrloses Ausprobieren von Schweißtätigkeiten. Dies erlaubt beispielsweise eine Verwendung der Geräte in Schulen oder auf Berufsorientierungsmessen. In MESA wird die weitere Verbreitung und sinnvolle Integration dieser Trainingssimulatoren angestrebt, wodurch ein größerer Anteil der Bevölkerung mit dem Schweißberuf konfrontiert wird.

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